Teppich mit dem Staubsauger reinigen: Technik je Teppichart

Teppich mit dem Staubsauger reinigen: langsam in zwei Richtungen, Bürstwalze je Florart an oder aus, dazu Kanten, Fransen und Rückseite. Für 7 Teppicharten.

Reinigung & Pflege Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Warum Teppich andere Saugarbeit braucht als Hartboden
  2. Die Grundtechnik: Tempo, Bahnen und Strichrichtung
  3. Bürstwalze, Düse und Saugstufe je Teppichart
  4. Kanten, Fransen und Ecken
  5. Lose Teppiche: Rückseite und Boden darunter
  6. Wie oft du welchen Teppich saugst
  7. Typische Fehler beim Teppichsaugen
  8. Wenn der Staubsauger allein nicht mehr reicht
  9. Fazit
  10. Häufige Fragen

Warum Teppich andere Saugarbeit braucht als Hartboden

Auf Fliesen oder Parkett liegt der Staub oben, ein einziger Zug mit der Düse nimmt ihn auf. Im Teppich verteilt sich der Schmutz über die ganze Höhe des Flors. Feiner Staub hängt an den Faserspitzen, Haare verhaken sich in der Mitte, und Sand rutscht bis auf das Grundgewebe.

Diese unterste Schicht macht die meiste Arbeit. Der Luftstrom der Düse verliert im Flor schnell an Kraft, weil die Fasern ihn bremsen und umlenken. Was am Grund liegt, erreicht er nur, wenn die Fasern sich bewegen. Genau dafür gibt es die rotierende Bürstwalze. Sie klopft und kämmt den Flor auf, und der Luftstrom kann den gelösten Sand abtransportieren.

Sand, der liegen bleibt, schadet dem Teppich zusätzlich. Bei jedem Schritt reiben die scharfkantigen Körner an den Fasern. Laufwege werden dadurch matt und grau, lange bevor der Teppich insgesamt schmutzig wirkt. Regelmäßiges, gründliches Saugen ist deshalb die wichtigste Pflege, die ein Teppich bekommt.

Die Grundtechnik: Tempo, Bahnen und Strichrichtung

1. Langsam schieben. Je schneller die Düse über den Teppich gleitet, desto seltener trifft jede Stelle die Bürstwalze. Die Elektrobürste EB400 von Vorwerk dreht auf Teppich laut Datenblatt mit bis zu 2.500 Umdrehungen pro Minute. Schiebst du sie mit einem halben Meter pro Sekunde, dreht sich die Walze auf 10 Zentimetern Weg gut achtmal. Bei einem Meter pro Sekunde sind es nur vier Umdrehungen. Auf dem Rückweg ziehst du ebenso ruhig zurück.

2. Bahnen überlappen. Jede neue Bahn setzt eine Handbreit in der vorherigen an. Die Ränder einer Düse saugen schwächer als die Mitte, und ohne Überlappung bleiben schmale Streifen mit weniger Saugleistung zurück.

3. Gegen den Strich, dann mit dem Strich. Fast jeder Teppich hat eine Strichrichtung, in die sich die Fasern neigen. Mit der flachen Hand findest du sie schnell. In Strichrichtung fühlt sich der Flor glatt an, gegen den Strich rau. Der erste Durchgang gegen den Strich stellt die Fasern auf, sodass Bürste und Luft bis zum Grund kommen. Der zweite Durchgang mit dem Strich legt den Flor wieder gleichmäßig hin.

4. Quer nacharbeiten, wo es zählt. Auf Laufwegen, vor dem Sofa und unter dem Esstisch lohnt ein dritter Durchgang quer zu den ersten beiden. Haare und Sand, die sich in einer Richtung eingehakt haben, lösen sich aus dem anderen Winkel.

Ein sichtbarer Effekt des Strichs ist das Shading. Velours und Plüsch zeigen helle und dunkle Bahnen, weil unterschiedlich geneigte Fasern das Licht verschieden zurückwerfen. Der letzte Durchgang in Strichrichtung gleicht die Fläche optisch an.

Bürstwalze, Düse und Saugstufe je Teppichart

Die wichtigste Einstellung ist die Bürstwalze. Auf den meisten Kurzflorteppichen holt sie das Maximum heraus, auf einigen Teppicharten richtet sie Schaden an. Die Einordnung je Teppichart:

TeppichartAufbauBürstwalzeSaugstufeWorauf achten
Kurzflor, Velours aus Kunstfasergeschnittener Flor unter 1,5 cmanhochStandardfall, zwei Richtungen
Hochflor, ShaggyFlor über 1,5 cm, Langflor ab 5 cmaus, glatte Düsemittel bis hochkreuz und quer saugen, Fasern danach aufrichten
Schlingenware, Berber, Bouclégeschlossene SchlingenausmittelBorsten können Schlingen herausziehen
Wollegeschnittener Flor oder Schlingeweich oder ausmittelneue Wollteppiche fusseln einige Wochen bis Monate
Sisal, Kokos, Juteflach gewebte Naturfaseraus, kein KlopfaufsatzhochSand fällt durch, Unterseite mitsaugen
Seide, Viskoseglänzende, empfindliche Faseraus, glatte Düseniedrignur mit dem Strich, wenig Druck
leichter Läufer, Badvorlegerdünn, ohne GewichtausniedrigRand mit dem Fuß fixieren

Für Hochflor nennt Vorwerk eine einfache Einteilung. Unter 1,5 Zentimetern Florhöhe gilt ein Teppich als Kurzflor, darüber als Hochflor, ab 5 Zentimetern als Langflor. Je länger die Fasern, desto eher wickeln sie sich um eine rotierende Walze und blockieren sie. Bei Shaggy-Teppichen arbeitest du deshalb mit der glatten Düse, die die Fasern ansaugt und wieder freigibt. Viele Möbel stehen dabei im Weg, darum lohnt es sich, sie vorher wegzuräumen und in alle Richtungen zu saugen.

Bei Sisal und anderen Naturfasern rät Vorwerk ausdrücklich von Bürsten- und Klopfaufsätzen ab, weil sie die harten Fasern schädigen. Die glatte Düse auf hoher Stufe holt den Schmutz aus der offenen Webstruktur. Wasser verträgt Sisal schlecht. Es bildet Ränder und Wellen, weshalb Flecken trocken oder mit wenig Feuchtigkeit behandelt werden.

Welche Düse für welchen Boden gebaut ist, von der Umschaltdüse bis zur Elektrobürste, erklärt der Ratgeber zur richtigen Staubsauger-Düse. Elektrobürsten mit Bodenerkennung regeln ihre Drehzahl selbst und schalten bei Fransen teilweise automatisch ab. Ob dein Gerät das kann, steht in der Anleitung.

Vier schematische Querschnitte durch Teppiche mit der Wirkung einer rotierenden Bürstwalze. Kurzflor-Velours unter 1,5 Zentimetern: Walze an, sie lockert den Flor und holt Sand vom Grund. Schlingenware wie Berber: Walze aus, die Borsten greifen in die Schlingen und können sie herausziehen. Hochflor über 1,5 Zentimeter und Shaggy ab 5 Zentimetern: Walze aus, lange Fasern wickeln sich auf. Sisal und flach gewebte Naturfaser: kein Bürsten- oder Klopfaufsatz, feiner Sand rieselt durch das Gewebe auf den Boden darunter.

Die Bürstwalze hilft nur dort, wo kurze, geschnittene Fasern sie vertragen. Bei Schlingen, langem Flor und Naturfaser bleibt sie aus.

Kanten, Fransen und Ecken

Am Rand eines Teppichs funktioniert die Flächentechnik nicht mehr. Drei Stellen brauchen eine eigene Behandlung.

Fransen blockieren eine Bürstwalze besonders leicht. Sie verfangen sich in den Borsten und werden aufgewickelt, im schlimmsten Fall reißen einzelne Fäden aus. Fransen saugst du mit stehender Walze oder mit der Polsterdüse, und zwar vom Teppich weg in Richtung der Fransenenden. So legen sich die Fäden glatt nebeneinander. Lose Fransen lassen sich vorher mit einer groben Bürste oder den Fingern ausrichten.

Teppichkanten werden von der breiten Düse oft nur halb erfasst, weil das Düsengehäuse über die Kante kippt. Fahre die Kante parallel entlang, mit der Düse vollständig auf dem Teppich.

Wandkanten bei Teppichboden sammeln Staub in einem schmalen Streifen, den keine Bodendüse erreicht. Hier hilft die Fugendüse, alle paar Wochen einmal rundherum. An Fußleisten und unter Türen zeigt sich bei Teppichboden mit der Zeit manchmal ein grauer Rand. Der Teppich wirkt dort wie ein Filter für die Luft, die durch die Ritze zieht, und hält Feinstaub fest. Regelmäßiges Saugen mit der Fugendüse bremst diesen Rand, ganz verschwindet er erst mit einer Nassreinigung.

Lose Teppiche: Rückseite und Boden darunter

Bei einem losen Teppich arbeitet die Schwerkraft gegen dich. Feiner Sand und Staub rieseln durch das Grundgewebe nach unten und sammeln sich auf der Unterseite und auf dem Boden darunter. Bei gewebten Teppichen ohne dichten Rücken ist das besonders ausgeprägt, bei Sisal und Kelims fällt es oft als feiner Staubfilm auf dem Parkett auf.

Einige Male im Jahr gehört deshalb der Teppich umgedreht:

  1. Teppich zur Hälfte umschlagen und die Rückseite mit der glatten Düse absaugen. Die Bürstwalze bleibt dabei aus, sie würde am Rückengewebe reiben.
  2. Den Boden darunter saugen und, bei Hartboden, feucht wischen.
  3. Teppich zurücklegen und die zweite Hälfte genauso behandeln.
  4. Zum Schluss die Oberseite in beiden Richtungen saugen.

Robuste Teppiche ohne Rücken lassen sich auch draußen ausklopfen. Das holt den Sand aus dem Grundgewebe heraus, den auch ein gründlicher Saugdurchgang nicht mehr erreicht.

Wie oft du welchen Teppich saugst

Den Rhythmus bestimmen Nutzung und Haushalt mehr als die Teppichart.

BereichRhythmus
Wohnzimmer, Kinderzimmerein- bis zweimal pro Woche
Eingangsbereich, Flur, Laufwegemehrmals pro Woche
Schlafzimmereinmal pro Woche
Haushalt mit Hund oder Katzezwei- bis dreimal pro Woche, im Fellwechsel täglich
Rückseite loser Teppicheeinige Male im Jahr
Wandkanten mit der Fugendüsealle paar Wochen

Wer einen Saugroboter hat, kann die Grundlast im Wochenverlauf an ihn abgeben. Für die zwei Richtungen, die Kanten und die Rückseite bleibt der Handstaubsauger zuständig, weil der Roboter meist dieselben Bahnen fährt und Fransen und Kanten meidet.

Typische Fehler beim Teppichsaugen

  • Zu schnelle Bahnen. Das Ergebnis sieht oben sauber aus, der Sand bleibt am Grund.
  • Immer dieselbe Richtung. Der Flor legt sich dauerhaft in eine Richtung, Schmutz in seinem Schatten bleibt liegen.
  • Bürstwalze auf Schlingen oder Hochflor. Gezogene Schlingen und aufgewickelte Fasern lassen sich nicht mehr reparieren.
  • Umwickelte Walze. Haare und Fäden auf der Walze bremsen sie und verringern den Bürsteffekt. Sie gehören regelmäßig mit einer Schere oder dem Schneidkamm entfernt.
  • Voller Beutel oder zugesetzter Filter. Die Saugleistung sinkt schleichend, auf Teppich fällt das zuerst auf.
  • Nasse Flecken einsaugen. Feuchtigkeit greift Filter und Motor eines Trockensaugers an. Nasses wird erst aufgetupft und getrocknet.
  • Pulver oder Teppichdeo großzügig einsaugen. Feine Pulver setzen Filter schnell zu, besonders bei beutellosen Geräten. Die Menge sparsam halten und den Filter danach kontrollieren.

Wenn der Staubsauger allein nicht mehr reicht

Saugen entfernt losen Schmutz. Was an den Fasern klebt, braucht eine zweite Methode. Drei Wege bieten sich an, je nach Teppich und Verschmutzung.

Trockenreinigung mit Pulver. Ein leicht feuchtes Reinigungspulver wird aufgestreut, mit einer Bürste in den Flor gearbeitet, bindet dort den Schmutz und wird nach dem Trocknen abgesaugt. Der Teppich bleibt dabei trocken und ist bald wieder begehbar. Ein Beispiel für dieses Verfahren mit Herstellerzubehör ist Kobosan, das Vorwerk für seine Kobold-Sauger anbietet. Wie es dort abläuft und für welche Teppiche es taugt, steht im Ratgeber zum Teppich reinigen mit dem Vorwerk Staubsauger.

Nassreinigung mit dem Waschsauger. Für vergraute Laufstraßen und großflächige Verschmutzungen sprüht ein Waschsauger Reinigungslösung in den Flor und saugt sie sofort wieder ab. Die Unterschiede zwischen Nass-Trockensauger, Waschsauger und Sprühextraktion erklärt der Ratgeber zum Teppich waschen mit dem Staubsauger.

Fleckenbehandlung. Einzelne Flecken behandelst du gezielt, solange sie frisch sind. Flüssigkeit vorsichtig auftupfen, von außen nach innen arbeiten und das Mittel vorher an einer verdeckten Stelle auf Farbechtheit prüfen.

Fazit

Ein Teppich wird mit dem Staubsauger sauber, wenn du ihm Zeit gibst. Langsame, überlappende Bahnen in zwei Richtungen holen den Sand vom Grund, und die Bürstwalze hilft dort, wo kurze, geschnittene Fasern sie vertragen. Prüf vor dem nächsten Saugen, welche deiner Teppiche Schlingen, langen Flor, Naturfaser oder Fransen haben, und stell für diese die Walze ab.

Plane für lose Teppiche ein paar Termine im Jahr ein, an denen du sie umdrehst und auch die Rückseite und den Boden darunter saugst. Bleiben Laufwege trotz guter Technik grau, ist der nächste Schritt eine Trocken- oder Nassreinigung.

Häufige Fragen

Wie sauge ich einen Teppich richtig?

Langsam und in überlappenden Bahnen, zuerst gegen den Strich, danach mit dem Strich. Der erste Durchgang richtet den Flor auf und holt Sand vom Grund, der zweite legt die Fasern wieder gleichmäßig hin. Bei Kurzflor aus Kunstfaser hilft eine Elektro- oder Turbobürste, bei Hochflor, Schlingen, Sisal und Seide bleibt die Bürstwalze aus.

Soll ich mit oder gegen den Strich saugen?

Beides, in dieser Reihenfolge. Gegen den Strich stellt sich der Flor auf, und die Düse erreicht den Schmutz zwischen den Fasern. Mit dem Strich legst du den Flor danach in eine Richtung, sonst bleiben helle und dunkle Bahnen sichtbar. Die Strichrichtung findest du mit der flachen Hand. In Strichrichtung fühlt sich der Teppich glatt an, gegen den Strich rau.

Wann muss die Bürstwalze beim Teppichsaugen aus?

Bei Hochflor und Shaggy, weil sich lange Fasern um die Walze wickeln. Bei Schlingenware wie Berber, weil die Borsten einzelne Schlingen herausziehen können. Bei Sisal, Kokos und Jute rät Vorwerk von jedem Bürsten- und Klopfaufsatz ab, bei Seide und Viskose ist die Faser zu empfindlich. Fransen und Teppichkanten saugst du ebenfalls mit stehender Walze.

Wie oft sollte man einen Teppich saugen?

In bewohnten Räumen ein- bis zweimal pro Woche, im Eingangsbereich, auf Laufwegen und mit Haustieren öfter. Sand, der liegen bleibt, wird beim Darüberlaufen in den Florgrund getreten und reibt dort an den Fasern. Laufwege werden dadurch grau und matt, lange bevor der Teppich schmutzig aussieht. Die Rückseite eines losen Teppichs reicht einige Male im Jahr.

Warum bekommt mein Staubsauger den Teppich nicht sauber?

Meist liegt es an zu schnellen Bahnen, an einer verstopften oder umwickelten Bürstwalze oder an einem vollen Beutel bzw. Filter. Bleibt Schmutz trotz sauberem Gerät und langsamer Technik im Flor, ist er festgeklebt, etwa durch Fett, Zucker oder alte Reinigungsmittelreste. Dann hilft nur eine Fleckenbehandlung oder eine Nassreinigung mit dem Waschsauger.

Darf ich einen Hochflorteppich mit der Elektrobürste saugen?

Bei kurzem Hochflor knapp über 1,5 Zentimetern geht es, wenn die Walze sich abschalten oder herunterregeln lässt und die Fasern nicht aufgewickelt werden. Bei Shaggy und Langflor ab 5 Zentimetern nimmst du die glatte Düse ohne Walze und saugst kreuz und quer in alle Richtungen. Eine Krallenbürste oder ein Teppichrechen richtet die Fasern danach wieder auf.

Muss ich die Rückseite eines Teppichs saugen?

Bei losen Teppichen ja, einige Male im Jahr. Feiner Sand rieselt durch das Grundgewebe und sammelt sich auf der Unterseite und auf dem Boden darunter. Bei gewebten Naturfaserteppichen wie Sisal ist das besonders ausgeprägt. Teppich umdrehen, Rückseite mit der glatten Düse absaugen, den Boden darunter saugen und den Teppich wieder auflegen.

Kann ich meinen Teppich mit dem normalen Staubsauger nass reinigen?

Nein, ein Trockensauger nimmt dabei Schaden, weil Wasser in Filter und Motor gelangt. Für die Nassreinigung braucht es einen Waschsauger, der Reinigungslösung einsprüht und sofort wieder absaugt, oder einen Nass-Trockensauger mit Sprühaufsatz. Ohne Wasser arbeitet die Trockenreinigung mit Pulver, das eingebürstet und nach dem Trocknen abgesaugt wird.

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