Wie oft putzt sich eine Katze? Zeit, Ablauf, Warnzeichen

Katzen verbringen 15 bis 50 Prozent ihrer Wachzeit mit Fellpflege. Wie der Ablauf aussieht, warum sie es tun und wann das Verhalten ein Warnzeichen ist.

Reinigung & Pflege Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Wie viel Zeit Katzen tatsächlich mit Fellpflege verbringen
  2. Die Putzsequenz: immer dieselbe Reihenfolge
  3. Die Zunge: ein Kamm mit eingebautem Wasserspeicher
  4. Warum Katzen sich putzen
  5. Wann sich das Putzverhalten verändert
  6. Wann das Verhalten ein Warnzeichen ist
  7. Haarballen: die Nebenwirkung der Gründlichkeit
  8. Was das für den Haushalt bedeutet
  9. Fazit
  10. Häufige Fragen

Eine Katze sitzt auf der Fensterbank und putzt sich, und zwanzig Minuten später wieder. Wer zum ersten Mal mit einer Katze zusammenlebt, fragt sich schnell, ob das noch normal ist. Dieser Artikel nennt die Zahlen dahinter, beschreibt den festen Ablauf einer Putzrunde und zeigt, ab wann das Verhalten ein Warnzeichen wird.

Wie viel Zeit Katzen tatsächlich mit Fellpflege verbringen

Die Angaben in der Fachliteratur liegen zwischen 15 und 50 Prozent der Wachzeit. Das klingt nach einer sehr weiten Spanne, wird aber nachvollziehbar, sobald man die Einflussgrößen betrachtet: Felllänge, Alter, Temperatur, Jahreszeit, Gesundheitszustand und der Charakter des einzelnen Tieres.

Rechne es in Stunden um, dann wird das Verhältnis greifbar. Eine Hauskatze schläft und döst 13 bis 16 Stunden am Tag, bleiben 8 bis 11 Stunden Wachzeit. Davon gehen rund zwei bis fünf Stunden für die Fellpflege ab. Damit ist Putzen nach dem Schlafen der zweitgrößte Zeitblock im Tagesablauf einer Katze.

Diese Zeit verteilt sich auf viele kurze Einheiten. Eine vollständige Putzrunde über den ganzen Körper dauert nur wenige Minuten. Dazwischen liegen kurze Korrekturen: nach dem Fressen das Maul, nach dem Streicheln die Stelle, die du berührt hast, nach dem Aufstehen ein paar Züge über die Flanke.

Auffällig häufig sind drei Auslöser:

  • Nach dem Fressen. Reste am Maul werden sofort entfernt, weil Geruch auf sich aufmerksam macht.
  • Nach dem Schlafen. Eine kurze Runde gehört bei den meisten Katzen zum Aufstehen.
  • Nach Aufregung. Ein Schreck, ein misslungener Sprung oder eine Auseinandersetzung wird oft mit einer Putzeinheit beantwortet.

Die Putzsequenz: immer dieselbe Reihenfolge

Das Putzen wirkt beiläufig und folgt trotzdem einem festen Muster, das in der Verhaltensforschung als stereotype Sequenz beschrieben ist. Sie läuft von vorn nach hinten und endet am Schwanz.

Katze in Seitenansicht mit sieben nummerierten Stationen der Putzreihenfolge von Maul über Pfote, Kopf, Schultern, Flanken und Hinterbeine bis zum Schwanz, darunter ein Zeitbalken mit 13 bis 16 Stunden Schlaf und 2 bis 5 Stunden Fellpflege je Tag.

Die Reihenfolge läuft von vorn nach hinten. Nach dem Schlafen ist die Fellpflege der zweitgrößte Zeitblock im Katzentag.

Der Ablauf im Einzelnen:

  1. Lippen und Maul werden abgeleckt, damit beginnt jede Runde.
  2. Eine Vorderpfote wird angefeuchtet, mehrmals hintereinander.
  3. Kopf, Ohr, Auge, Wange und Kinn werden mit der feuchten Pfote abgerieben. Die Pfote übernimmt hier die Rolle eines Waschlappens für alle Stellen, an die die Zunge nicht kommt.
  4. Seitenwechsel: dieselbe Prozedur mit der anderen Pfote auf der anderen Kopfseite.
  5. Vorderbeine und Schultern kommen wieder direkt mit der Zunge dran.
  6. Flanken und Bauch folgen.
  7. Hinterbeine und Genitalregion, danach der Schwanz von der Basis zur Spitze, der dabei oft komplett durch das Maul gezogen wird.

Bei kurzen Zwischenrunden lässt die Katze Schritte weg oder beginnt mittendrin. Die Richtung bleibt trotzdem erhalten, und eine vollständige Runde folgt fast immer der ganzen Kette.

Die Zunge: ein Kamm mit eingebautem Wasserspeicher

Die raue Zunge kennt jeder, der einmal abgeleckt wurde. Verantwortlich dafür sind Hunderte nach hinten gerichteter Hornpapillen, die wie feine Haken arbeiten und lose Haare aus dem Fell ziehen.

Eine 2018 in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Untersuchung von Alexis Noel und David Hu zeigte, dass diese Papillen zusätzlich hohl sind. Jede einzelne nimmt rund 4,1 Mikroliter Speichel auf und gibt ihn beim Putzen bis in die tieferen Schichten des Fells ab. Über den Tag gerechnet kommt eine Hauskatze damit im Schnitt auf etwa 48 Milliliter Speichel, die sie in ihrem Fell verteilt.

Daraus ergeben sich zwei Effekte auf einmal. Der Speichel gelangt bis an die Haut und nimmt dort Schmutz und Hautfett auf. Und er verdunstet, was Wärme abführt. Für ein Tier mit Schweißdrüsen nur an den Pfotenballen ist das der wichtigste Weg der Kühlung, weshalb Katzen sich bei Hitze deutlich häufiger putzen.

Warum Katzen sich putzen

Hinter dem Verhalten stehen mehrere Funktionen, die alle gleichzeitig erfüllt werden.

FunktionWas dabei passiert
TemperaturregulierungVerdunstender Speichel kühlt, ein Ersatz für fehlende Schweißdrüsen
FellpflegeLose Haare werden entfernt, Hautfett gleichmäßig verteilt, das Fell bleibt isolierend
HygieneSchmutz, Futterreste und Parasiten werden aufgenommen
GeruchsmanagementFremdgeruch verschwindet, für ein Lauerjagdtier ein Überlebensvorteil
BeruhigungPutzen senkt Anspannung, häufig nach Schreck oder Konflikt
SozialesGegenseitiges Putzen baut einen gemeinsamen Gruppengeruch auf

Der letzte Punkt heißt in der Verhaltensforschung Allogrooming. Zwei Katzen putzen sich dabei gegenseitig, vor allem an Kopf und Nacken, also genau an den Stellen, an die keine Katze selbst herankommt. Wer das bei seinen Tieren beobachtet, sieht damit zugleich ein Zeichen einer engen Bindung.

Wann sich das Putzverhalten verändert

Die Häufigkeit ist keine feste Größe. Sie schwankt über das Jahr und über das Leben eines Tieres.

Im Fellwechsel steigt der Aufwand deutlich. Im Frühjahr wird das dichte Winterfell abgestoßen, im Herbst das leichtere Sommerfell. Bei Wohnungskatzen verwischt dieser Rhythmus, weil gleichbleibende Temperatur und künstliches Licht den Hormonen den saisonalen Reiz nehmen. Sie haaren dafür ganzjährig auf mittlerem Niveau.

Im Sommer und in Heizungsluft kommt die Kühlfunktion dazu, und die Putzzeit steigt.

Junge Katzen putzen sich anfangs unvollständig. Kätzchen werden bis etwa zur vierten Lebenswoche von der Mutter geputzt und übernehmen das Verhalten danach schrittweise selbst.

Ältere Katzen putzen sich messbar weniger, sobald Beweglichkeit und Gelenke nachlassen. Ein zunehmend stumpfes Fell am Rücken gehört bei einer Katze ab etwa zehn Jahren auf die Liste der Dinge, die man beim nächsten Tierarztbesuch anspricht.

Wann das Verhalten ein Warnzeichen ist

Sowohl deutlich mehr als auch deutlich weniger Putzen kann auf ein Problem hinweisen. Beides fällt im Alltag leicht auf, wenn man auf das Fellbild achtet.

Zeichen für zu viel Putzen:

  • Kahle oder ausgedünnte Stellen, oft an Bauch, Innenschenkeln oder Flanke
  • Gerötete oder wunde Haut
  • Abgebrochene, stoppelige Haare, statt komplett ausgefallener
  • Das Putzen konzentriert sich auffällig auf eine einzelne Körperstelle
  • Vermehrte Haarballen

Die Ursachen reichen von Parasiten über Futtermittel- und Umweltallergien bis zu Schmerzen, die ein Tier durch Lecken der betroffenen Stelle zu lindern versucht. Dazu kommt die psychogene Leckalopezie, bei der Anspannung der Auslöser ist, häufig nach einem Umzug, einem neuen Tier im Haushalt oder einer Veränderung im Tagesablauf. Von außen lassen sich diese Ursachen kaum unterscheiden, deshalb gehört der Fall in die Tierarztpraxis. Sitzt ein Parasitenbefall dahinter, ist neben dem Tier auch die Wohnung dran, der Ablauf dafür steht im Artikel zum Milben bekämpfen bei Katzen.

Zeichen für zu wenig Putzen:

  • Stumpfes, fettig wirkendes Fell
  • Verfilzungen, besonders am Rücken, an den Flanken und über dem Becken
  • Schuppen im Fell
  • Verschmutzungen im Bereich unter dem Schwanz

Typische Gründe sind Schmerzen beim Drehen, Arthrose bei älteren Tieren, Übergewicht und Zahnprobleme, die das Putzen unangenehm machen. Gerade der Rücken über dem Becken ist die Stelle, die als Erste vernachlässigt wird, weil sie die größte Beweglichkeit verlangt.

Haarballen: die Nebenwirkung der Gründlichkeit

Alles, was die Zunge aus dem Fell holt, schluckt die Katze. Der größte Teil davon geht den normalen Weg durch den Verdauungstrakt. Ein Rest bleibt im Magen und verfilzt dort zu einem Ballen, den die Katze früher oder später auswürgt.

Häufiger wird das in drei Situationen: bei Langhaarkatzen, im Fellwechsel und bei Tieren, die sich aus Stress oder wegen eines Hautproblems übermäßig putzen. Gelegentliches Auswürgen gehört zum normalen Bild. Häufen sich die Vorfälle, kommen Würgen ohne Ergebnis, Appetitlosigkeit oder Verstopfung dazu, gehört das abgeklärt.

Der wirksamste Hebel dagegen ist regelmäßiges Bürsten. Jedes Haar in der Bürste ist ein Haar, das weder verschluckt wird noch in der Wohnung landet. Kurzhaarkatzen profitieren von ein bis zwei Durchgängen pro Woche, Langhaarkatzen von einem täglichen, im Fellwechsel entsprechend häufiger.

Was das für den Haushalt bedeutet

Zwei bis fünf Stunden Fellpflege am Tag hinterlassen Spuren, und zwar überall dort, wo die Katze sitzt.

Bei jedem Durchgang lösen die Papillen lose Haare und Hautschuppen aus dem Fell. Ein Teil wird verschluckt, ein großer Teil fällt an Ort und Stelle herunter. Weil Katzen sich an ihren Lieblingsplätzen putzen, sammelt sich dort am meisten: auf der Couch, auf dem Bett, auf dem Kratzbaum, auf der Fensterbank.

Für den Putzplan folgt daraus eine einfache Priorität:

  • Textilien zuerst. Polster, Decken und Kissen halten Haare und Schuppen deutlich stärker fest als glatte Böden. Wie du sie dort wieder herausbekommst, beschreibt der Artikel zum Tierhaare von Polstern entfernen.
  • An den Liegeplätzen häufiger saugen als im Rest der Wohnung. Eine Elektrobürste arbeitet Haare aus dem Flor, die eine einfache Bodendüse liegen lässt, die Unterschiede stehen im Artikel zur Elektrobürste für Tierhaare.
  • Die Waschmaschine im Blick behalten. Katzendecken bringen Haare mit, die sich auf der übrigen Wäsche verteilen. Der Artikel dazu, wie du Tierhaare beim Waschen entfernst, nennt die Handgriffe davor und danach.
  • Hautschuppen mitdenken. Sie sind Teil des Katzenallergens und mischen sich in den Hausstaub. Was in einem Allergiehaushalt wirklich hilft, ordnet der Artikel zur Hausstauballergie nach Aufwand und Wirkung.

Fazit

Eine Katze verbringt 15 bis 50 Prozent ihrer Wachzeit mit Fellpflege, also rund zwei bis fünf Stunden am Tag, verteilt auf viele kurze Runden mit immer derselben Reihenfolge vom Maul bis zum Schwanz. Häufiges Putzen ist damit das normalste Verhalten der Welt und kein Grund zur Sorge.

Achte auf das Fellbild statt auf die Uhr. Kahle Stellen und gerötete Haut deuten auf zu viel, stumpfes und verfilztes Fell am Rücken auf zu wenig Fellpflege. Und wenn dich vor allem die Haarmenge in der Wohnung beschäftigt: Regelmäßiges Bürsten ist die eine Maßnahme, die Haarballen und Haushaltshaare gleichzeitig reduziert.

Häufige Fragen

Wie viele Stunden am Tag putzt sich eine Katze?

Die Angaben der Fachliteratur liegen zwischen 15 und 50 Prozent der Wachzeit. Bei 13 bis 16 Stunden Schlaf am Tag entspricht das rund zwei bis fünf Stunden Fellpflege. Die Spanne ist deshalb so breit, weil Rasse, Felllänge, Alter, Jahreszeit und Temperatur eine große Rolle spielen. Nach dem Schlafen ist die Fellpflege damit der zweitgrößte Zeitblock im Katzentag.

In welcher Reihenfolge putzt sich eine Katze?

In einer festen, in der Verhaltensforschung beschriebenen Abfolge: zuerst Lippen und Maul, dann wird eine Vorderpfote angefeuchtet und damit Kopf, Ohr, Auge, Wange und Kinn abgerieben. Nach dem Seitenwechsel folgen Vorderbeine und Schultern, danach die Flanken, dann Hinterbeine und Genitalregion, zuletzt der Schwanz von der Basis bis zur Spitze.

Warum putzen sich Katzen so oft?

Aus vier Gründen gleichzeitig. Die Verdunstung des Speichels kühlt, weil Katzen kaum Schweißdrüsen haben. Die Zunge entfernt lose Haare und verteilt Hautfett im Fell. Das Putzen entfernt Fremdgeruch, was für ein Lauerjagdtier zählt. Und es wirkt beruhigend, weshalb Katzen sich auch nach Aufregung putzen.

Warum fühlt sich die Zunge einer Katze rau an?

Weil sie mit Hunderten nach hinten gerichteter Hornpapillen besetzt ist. Eine 2018 in PNAS veröffentlichte Untersuchung von Alexis Noel und David Hu zeigte, dass diese Papillen hohl sind und Speichel bis an die Haut leiten. Rund 4,1 Mikroliter fasst jede einzelne, über den Tag bringt eine Hauskatze damit im Schnitt etwa 48 Milliliter Speichel ins Fell.

Wann putzt sich eine Katze zu viel?

Wenn kahle Stellen entstehen, die Haut gerötet ist oder das Putzen an einer Körperstelle deutlich überwiegt. Häufige Ursachen sind Parasiten, Allergien, Schmerzen an genau dieser Stelle und Stress. Bei einer psychogenen Leckalopezie leckt die Katze aus Anspannung, oft an Bauch und Innenschenkeln. In allen Fällen gehört das in die Tierarztpraxis, weil Verhalten und Schmerz sich äußerlich kaum unterscheiden lassen.

Was bedeutet es, wenn eine Katze sich kaum noch putzt?

Nachlassende Fellpflege ist ein ernstes Zeichen. Typische Gründe sind Schmerzen beim Drehen, etwa durch Arthrose bei älteren Tieren, Übergewicht, das den Rücken und die Schwanzwurzel unerreichbar macht, Zahnschmerzen und allgemeine Erkrankungen. Erkennbar wird es an stumpfem, verfilztem Fell, besonders am Rücken und über dem Becken.

Warum putzen sich zwei Katzen gegenseitig?

Das gegenseitige Putzen heißt Allogrooming und richtet sich vor allem auf Kopf und Nacken, also die Stellen, an die ein Tier selbst kaum kommt. Es hat zusätzlich eine soziale Funktion: Die Tiere tauschen Geruch aus und bauen einen gemeinsamen Gruppengeruch auf. Zwischen Katzen, die sich gegenseitig putzen, besteht in der Regel eine enge Bindung.

Wie oft sollte ich meine Katze bürsten?

Kurzhaarkatzen ein- bis zweimal pro Woche, Langhaarkatzen täglich, im Fellwechsel im Frühjahr und Herbst jeweils häufiger. Jedes Haar in der Bürste ist ein Haar, das weder verschluckt noch in der Wohnung verteilt wird. Damit sinken Haarballen und Haushaltshaare gleichzeitig, und das Bürsten ist die einzige Stellschraube, die an beiden Enden wirkt.

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