Auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder im Arztbrief steht eine Kombination aus Buchstabe, Zahlen und noch einem Buchstaben: J30.3 G. Wer wissen will, was dort über ihn dokumentiert wurde, findet in der offiziellen Klassifikation eine Bezeichnung, die den Begriff Hausstaub gar nicht enthält. Dieser Ratgeber ordnet den Code ein und zeigt, welche Nachbarcodes dazugehören.
Der Code lautet J30.3
In der ICD-10-GM, der in Deutschland verbindlichen Fassung der internationalen Klassifikation, trägt die Hausstauballergie die Schlüsselnummer J30.3. Die offizielle Bezeichnung lautet “Sonstige allergische Rhinopathie”, und in den Kodierhilfen sind unter dieser Nummer unter anderem Hausstauballergie, Allergie durch Hausstaubmilben und Allergie durch Inhalation als Synonyme geführt.
Der Begriff Rhinopathie steht dabei für eine Erkrankung der Nasenschleimhaut. Die Beschwerden, die den Alltag bestimmen, also laufende oder verstopfte Nase, Niesreiz und Juckreiz, sind genau das, was die Klassifikation hier fasst.
Zwei Punkte fallen beim ersten Lesen auf und verdienen eine Erklärung. Erstens taucht das Wort Hausstaub in der offiziellen Bezeichnung nicht auf. Zweitens klingt “sonstige” nach einer Restkategorie. Beides erklärt sich aus dem Aufbau der Gruppe.
Wie die Gruppe J30 aufgebaut ist
Die ICD-10 ordnet hierarchisch. Aus dem Kapitel der Atemwegserkrankungen führt der Weg über die Krankheiten der oberen Atemwege zur Kategorie J30, und diese wird nach dem zeitlichen Muster der Beschwerden unterteilt.
Diese Übersicht zeigt die vollständige Gruppe mit den offiziellen Bezeichnungen:
| Code | Offizielle Bezeichnung | Was gemeint ist |
|---|---|---|
| J30.0 | Rhinopathia vasomotorica | nicht allergische Reizung der Nasenschleimhaut |
| J30.1 | Allergische Rhinopathie durch Pollen | Heufieber, Heuschnupfen, Pollinose |
| J30.2 | Sonstige saisonale allergische Rhinopathie | jahreszeitlich gebunden, andere Auslöser als Pollen |
| J30.3 | Sonstige allergische Rhinopathie | ganzjährig bestehend, hier steht die Hausstaubmilbe |
| J30.4 | Allergische Rhinopathie, nicht näher bezeichnet | Allergie belegt, Muster oder Auslöser offen |
Damit löst sich das Rätsel um das Wort “sonstige” auf: Es grenzt gegen die saisonalen Formen in J30.1 und J30.2 ab. Wer ganzjährig reagiert, landet in J30.3, und das trifft auf die Hausstaubmilbe zu, weil sie in Matratze, Polster und Teppich das ganze Jahr über lebt.
Der Buchstabe hinter dem Code
In der ambulanten Versorgung steht hinter jeder Schlüsselnummer ein zusätzlicher Buchstabe, das Zusatzkennzeichen für die Diagnosesicherheit. Diese Angabe ist dort verpflichtend, während sie im stationären Bereich umgekehrt unzulässig ist.
| Kennzeichen | Bedeutung | Was das heißt |
|---|---|---|
| G | gesicherte Diagnose | die Diagnose steht fest |
| V | Verdachtsdiagnose | die Abklärung läuft noch |
| Z | Zustand nach | die Erkrankung ist abgeklungen, wird aber dokumentiert |
| A | ausgeschlossene Diagnose | geprüft und verneint |
Ein “V” ist dabei kein Zeichen von Unsicherheit im schlechten Sinne. Es hält fest, dass die Abklärung noch läuft, etwa weil Pricktest oder Bluttest noch ausstehen. Sobald eine gezielte Therapie begonnen wird, kann der Eintrag auf “G” wechseln, auch wenn die letzte Bestätigung noch aussteht.
Für Patienten ist vor allem das “A” wichtig zu kennen: Steht auf einem Befund J30.3 A, wurde eine Hausstauballergie geprüft und ausgeschlossen. Ohne diesen Buchstaben liest sich derselbe Eintrag genau umgekehrt.
Wenn Asthma dazukommt
Die Kategorie J30 trägt ein ausdrückliches Exklusivum: allergische Rhinopathie mit Asthma bronchiale. Dafür ist J45.0 vorgesehen, das vorwiegend allergische Asthma bronchiale.
Der Hintergrund ist medizinisch: Allergische Rhinitis und allergisches Asthma gelten als zwei Stufen derselben Erkrankung der Atemwege. Ein erheblicher Teil der Menschen mit ganzjähriger allergischer Rhinitis entwickelt im Verlauf asthmatische Beschwerden. In der Dokumentation tauchen in solchen Fällen häufig beide Schlüsselnummern nebeneinander auf, weil beide Ebenen eigene Behandlungen verlangen. Welche Zuordnung im Einzelfall richtig ist, entscheidet die behandelnde Praxis.
Ein zweites Exklusivum verweist auf J31.0, die chronische Rhinitis ohne nähere Angabe. Es greift, wenn die allergische Ursache gerade nicht belegt ist.
Die Nachbarcodes im Umfeld
Eine Hausstauballergie betrifft selten nur die Nase. Diese Schlüsselnummern tauchen deshalb häufig im selben Befund auf:
| Code | Bezeichnung | Wann er auftaucht |
|---|---|---|
| J30.3 | Sonstige allergische Rhinopathie | die Nasenschleimhaut reagiert |
| H10.1 | Akute atopische Konjunktivitis | die Augen jucken, tränen und röten sich |
| J45.0 | Vorwiegend allergisches Asthma bronchiale | die unteren Atemwege sind beteiligt |
| L20.- | Atopisches Ekzem, Neurodermitis | die Haut reagiert mit |
| T78.4 | Allergie, nicht näher bezeichnet | Reaktion belegt, Zuordnung offen |
| Z91.0 | Allergie in der Eigenanamnese | bekannte Allergie ohne aktuelle Behandlung |
Der letzte Code verdient eine Erläuterung, weil er oft Fragen aufwirft. Z-Codes beschreiben Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen, und lassen die akute Erkrankung außen vor. Z91.0 hält fest, dass eine Allergie bekannt ist, etwa damit bei einer künftigen Behandlung niemand in dieselbe Falle läuft. Der Code allein bedeutet nicht, dass gerade Beschwerden bestehen.
Wo dir der Code im Alltag begegnet
Die Schlüsselnummer taucht an mehr Stellen auf, als den meisten bewusst ist.
Auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Die Ausfertigung für die Krankenkasse trägt die Diagnose als Code, die Ausfertigung für den Arbeitgeber trägt sie ausdrücklich nicht. Der Arbeitgeber erfährt also nur die Dauer.
Im Arztbrief und im Befund. Hier steht der Code meist zusammen mit dem Klartext, was das Nachschlagen erspart.
Auf der Abrechnung der Praxis. Jede Behandlung wird mit mindestens einer Diagnose begründet, und diese Begründung läuft über die Schlüsselnummer plus Zusatzkennzeichen.
Im Rezept für eine Hyposensibilisierung. Die spezifische Immuntherapie setzt eine dokumentierte Allergie voraus, und die Kasse prüft diesen Nachweis über den Code.
In der elektronischen Patientenakte. Diagnosen werden dort als kodierte Einträge geführt, was den Austausch zwischen Praxen erleichtert und zugleich erklärt, warum ein alter, längst überholter Eintrag ohne Zutun sichtbar bleiben kann.
Ein praktischer Hinweis für den letzten Punkt: Wer einen Code im eigenen Befund für falsch hält, spricht die ausstellende Praxis darauf an. Korrigieren kann ihn nur, wer ihn vergeben hat, und das ist die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Was der Code leistet und was nicht
Die Schlüsselnummer erfüllt drei Aufgaben: Sie dient der Abrechnung mit der Krankenkasse, sie erlaubt statistische Auswertungen über Krankheitshäufigkeiten, und sie sorgt dafür, dass Praxis, Klinik und Kostenträger dieselbe Sprache sprechen.
Was sie nicht leistet, ist mindestens genauso wichtig:
- Den Auslöser benennen. J30.3 sammelt alle ganzjährigen Inhalationsallergene. Hausstaubmilben stehen dort neben Tierepithelien von Katze, Hund und Nagern, neben Schimmelpilzsporen und neben Federn. Welches Allergen im Einzelfall gemeint ist, steht im Befund der Allergiediagnostik.
- Den Schweregrad angeben. Leichter Niesreiz im Frühjahr und ganzjährig verstopfte Nase mit Schlafstörung tragen dieselbe Nummer.
- Eine Behandlung vorgeben. Der Code beschreibt, er verordnet nicht.
Für den Alltag heißt das: Die Schlüsselnummer beantwortet die Frage, was dokumentiert wurde. Die Frage, was konkret hilft, beantwortet sie nicht.
Wo du den Code selbst nachschlagen kannst
Die amtliche Fassung gibt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte heraus und stellt sie kostenlos online bereit. Sie wird jährlich zum 1. Januar aktualisiert, aktuell gilt die ICD-10-GM 2026. Für die Gruppe J30 sind die Schlüsselnummern seit Jahren unverändert, ältere Befunde lassen sich deshalb ohne Umrechnung lesen.
Für den schnellen Blick eignet sich das Portal gesund.bund.de des Bundesgesundheitsministeriums, das jede Schlüsselnummer in verständlicher Sprache erklärt. Wer die vollständige Systematik mit allen Inklusiva und Exklusiva sehen will, nutzt den ICD-Browser des BfArM oder eine der Kodierhilfen der Kassenärztlichen Vereinigungen.
Ein praktischer Hinweis zum Lesen: Ein Bindestrich hinter dem Code, etwa L20.-, bedeutet, dass die Kategorie weitere Unterteilungen hat und hier stellvertretend für die ganze Gruppe steht.
Fazit
Für Hausstaub- und Hausstaubmilbenallergie gilt in Deutschland die Schlüsselnummer J30.3, offiziell “Sonstige allergische Rhinopathie”, ergänzt um das Zusatzkennzeichen der Diagnosesicherheit. Kommt Asthma bronchiale dazu, verweist die Klassifikation auf J45.0, bei beteiligten Augen auf H10.1 und bei betroffener Haut auf L20.-.
Die Grenze des Codes ist dabei gut zu kennen: Er sagt, dass ganzjährig ein Inhalationsallergen wirkt, und lässt offen, welches. Das entscheidet die Allergiediagnostik, und danach beginnt die eigentliche Arbeit in der Wohnung. Welche Maßnahmen dort belegt wirken, von der Matratzenhülle über die Waschtemperatur bis zur Luftfeuchte, steht im Ratgeber Hausstauballergie: was wirklich hilft. Worauf es beim Saugen und beim Filter ankommt, zeigt der Ratgeber Staubsauger-Filter für Allergiker.
Häufige Fragen
Welchen ICD-10-Code hat die Hausstauballergie?
J30.3, in der Klassifikation als "Sonstige allergische Rhinopathie" bezeichnet. Die Kategorie umfasst ausdrücklich die ganzjährig bestehende allergische Rhinopathie, und darunter fällt die Reaktion auf Hausstaubmilben. Für Hausstauballergie und Hausstaubmilbenallergie gilt derselbe Code, die beiden Begriffe sind in den Kodierhilfen Synonyme derselben Schlüsselnummer.
Was bedeutet der Buchstabe hinter dem Code, etwa J30.3 G?
Er gibt die Diagnosesicherheit an und ist in der ambulanten Versorgung Pflicht. G steht für eine gesicherte Diagnose, V für eine Verdachtsdiagnose, A für eine ausgeschlossene Diagnose und Z für einen symptomlosen Zustand nach der betreffenden Erkrankung. J30.3 G beschreibt also eine gesicherte ganzjährige allergische Rhinopathie. Im stationären Bereich sind diese Zusatzkennzeichen umgekehrt nicht zulässig.
Ist J30.3 nur für Hausstaubmilben reserviert?
Nein, und das ist die wichtigste Einschränkung des Codes. J30.3 sammelt alle ganzjährig wirksamen Inhalationsallergene: Hausstaubmilben, Tierepithelien von Katze, Hund oder Nager, Schimmelpilzsporen und Federn. Aus der Schlüsselnummer allein lässt sich der konkrete Auslöser deshalb nicht ablesen. Welches Allergen gemeint ist, steht im Befund der Allergiediagnostik.
Welcher Code gilt bei Heuschnupfen?
J30.1 für die allergische Rhinopathie durch Pollen. Die Klassifikation führt dort Heufieber, Heuschnupfen und Pollinose als Synonyme. J30.2 ist für sonstige saisonale allergische Rhinopathien vorgesehen, also für jahreszeitlich gebundene Auslöser jenseits der Pollen. Die Trennung zwischen J30.1 bis J30.3 folgt damit dem zeitlichen Muster der Beschwerden.
Was ändert sich, wenn Asthma dazukommt?
Dann greift ein anderer Code. Die Kategorie J30 schließt die allergische Rhinopathie mit Asthma bronchiale ausdrücklich aus und verweist auf J45.0, das vorwiegend allergische Asthma bronchiale. Ärztlich werden in der Praxis häufig beide Diagnosen nebeneinander dokumentiert, weil Rhinitis und Asthma unterschiedlich behandelt werden. Die konkrete Zuordnung trifft die behandelnde Praxis.
Welche Codes tauchen sonst noch im Zusammenhang mit einer Hausstauballergie auf?
H10.1 für die akute atopische Konjunktivitis, wenn die Augen mitreagieren, L20.- für das atopische Ekzem, J45.0 für vorwiegend allergisches Asthma, T78.4 für eine nicht näher bezeichnete Allergie und Z91.0 für eine Allergie in der Eigenanamnese außerhalb von Arzneimitteln. Der letzte Code beschreibt eine bekannte Allergie ohne aktuelle Behandlung und dient vor allem der Dokumentation.
Welche Fassung des ICD-10 gilt in Deutschland?
Die ICD-10-GM, also die German Modification, herausgegeben vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Sie wird jährlich zum 1. Januar aktualisiert, aktuell gilt die Fassung ICD-10-GM 2026. Für die Kategorie J30 sind die Schlüsselnummern seit vielen Jahren unverändert, was das Nachschlagen älterer Befunde erleichtert.
Wozu dient der Code überhaupt?
Er erfüllt drei Aufgaben: Abrechnung mit der Krankenkasse, statistische Erfassung von Krankheitshäufigkeiten und einheitliche Dokumentation zwischen Praxen, Kliniken und Kostenträgern. Eine medizinische Aussage über Schweregrad, Auslöser oder nötige Behandlung trifft er nicht. Für den Patienten ist er vor allem eine Nachschlagehilfe, wenn auf einer Bescheinigung nur die Schlüsselnummer steht.