Was eine Staubklasse aussagt
Die Staubklasse beschreibt, wie viel des aufgesaugten Staubs ein Gerät insgesamt wieder an die Raumluft abgibt. Geprüft wird nach der Norm EN 60335-2-69 das komplette Gerät: der Filter, das Gehäuse, die Dichtungen, die Anschlüsse. Staub, der an einer undichten Filteraufnahme vorbeiströmt, zählt genauso wie Staub, der durch das Filtermaterial dringt.
Die Einteilung richtet sich nach der Gefährlichkeit des Staubs, ausgedrückt im Arbeitsplatzgrenzwert (AGW). Je niedriger der zulässige Wert in der Atemluft, desto besser muss der Sauger abscheiden. Die DGUV fasst das in ihrer Information 209-084 zu Industriestaubsaugern und Entstaubern so zusammen: Je größer die Gesundheitsgefahr eines Staubes ist, desto besser muss die Abscheideleistung des Geräts sein.

Zwischen Klasse L und Klasse H liegt der Faktor 200: Ein H-Gerät gibt von einem Kilogramm Staub höchstens 0,05 Gramm wieder ab.
Häufig wird die Staubklasse mit der Filterklasse verwechselt. Suchanfragen wie „Staubsauger Filterklasse M“ meinen fast immer die Staubklasse. Die Filterklasse nach EN 1822 (E10 bis U17, mit H13 und H14 als HEPA) bewertet allein das Filtermaterial im Prüfstand. Ein Gerät mit H13-Filter ist deshalb noch kein Gerät der Staubklasse H. Wie die Filterklassen aufgebaut sind, erklärt der Ratgeber zur Definition des HEPA-Filters.
Die drei Klassen im Überblick
| Klasse L | Klasse M | Klasse H | |
|---|---|---|---|
| Gefährlichkeit des Staubs | leicht | mittel | hoch |
| Arbeitsplatzgrenzwert | über 1 mg/m³ | ab 0,1 mg/m³ | unter 0,1 mg/m³ sowie krebserzeugende Stoffe |
| maximaler Durchlassgrad | 1 % | 0,1 % | 0,005 % |
| Abscheidegrad | 99 % | 99,9 % | 99,995 % |
| Entsorgung | keine besondere Anforderung | staubarm | staubfrei |
| Volumenstromwarnung | nicht vorgesehen | bei Entstaubern Standard | bei Entstaubern Standard |
Grenzwerte, Durchlass- und Abscheidegrade folgen der Einteilung der DGUV, die Angaben zur Entsorgung den Herstellerangaben von Starmix.
Klasse L ist die Grundstufe. Sie reicht für Stäube, die als wenig gefährlich gelten, zum Beispiel Gips, Erde oder normalen Schmutz. Viele Nass-Trockensauger für Haus und Werkstatt erreichen mit einem feinen Faltenfilter diese Klasse, andere sind gar nicht eingestuft.
Klasse M ist der Standard für Handwerk und Renovierung. Sie deckt die meisten Stäube ab, die beim Bohren, Schleifen, Sägen und Fräsen entstehen. Ein M-Gerät hält mindestens 99,9 Prozent zurück und erlaubt eine staubarme Entsorgung, meist über einen Sicherheitsfilterbeutel.
Klasse H ist für krebserzeugende Stäube und Stoffe mit sehr niedrigem Grenzwert gedacht. Hier muss das Gerät 99,995 Prozent zurückhalten, und die Entsorgung muss staubfrei möglich sein.
Welcher Staub in welche Klasse gehört
Welche Klasse ein Staub mindestens verlangt, listet die DGUV Information 209-084 in einer Tabelle auf. Die für Haushalt und Renovierung wichtigsten Einträge:
| Staub | Staubklasse (mindestens) | Technische Regel |
|---|---|---|
| Holzstaub | M | TRGS 553 |
| Lackpartikel | M | |
| Kunststoffstäube | M | |
| quarzhaltiger mineralischer Staub (Beton, Mauerwerk, Fliesen) | M | TRGS 559 |
| Fasern alter Mineralwolle | M | TRGS 521 |
| bleihaltige Lackstäube | M | TRGS 505 |
| Ruß aus Hausfeuerungsanlagen | M | |
| Gips | L | |
| Schimmelpilze | H | |
| Glasfaserstäube | H | |
| Chrom-, Nickel- und Kobaltstäube | H | TRGS 560 |
| Asbestfasern | H mit Zusatzanforderungen für Asbest | TRGS 519, Anlage 7 |
| Hausstaub | keine Angabe |
Herstellerlisten weichen im Detail manchmal ab. Starmix nennt Gips zum Beispiel unter Klasse M, die DGUV unter L. Wer unsicher ist, greift zur höheren Klasse, ein M-Gerät kann alles, was ein L-Gerät kann.
Für typische Heimwerker-Arbeiten ergibt sich daraus ein klares Bild: Wer Parkett oder Möbel schleift, Schlitze in Beton oder Mauerwerk fräst, Fliesen schneidet oder alte Dämmwolle ausbaut, arbeitet mit Stäuben der Klasse M. Wie sich Schleifstaub schon an der Quelle einfangen lässt, ist ein eigenes Thema, das Gerät der passenden Klasse ist dabei die Grundlage.
Industriestaubsauger oder Entstauber
Im Handel tragen viele Geräte beide Bezeichnungen, die DGUV unterscheidet sie aber klar. Ein Industriestaubsauger dient dazu, abgelagerten Staub aufzusaugen. Ein Entstauber wird zusätzlich per Schlauch an ein Elektrowerkzeug angeschlossen und saugt den Staub direkt an der Entstehungsstelle ab, oft mit Steckdose am Gerät, die den Sauger mit dem Werkzeug startet.
Der technische Unterschied liegt in der Warneinrichtung. Laut DGUV Information 209-084 gibt ein Entstauber eine optische oder akustische Warnung aus, sobald der Volumenstrom unter einen eingestellten Wert fällt, etwa weil der Filter zusetzt oder der Schlauch abknickt. Der Bediener merkt das am Werkzeug sonst nicht, die Staubbelastung steigt unbemerkt. Ein Industriestaubsauger hat nur eine Anzeige, weil man beim Aufsaugen sieht, wenn die Saugleistung nachlässt.
Die Schwelle für diese Warnung liegt laut Starmix bei einer Luftgeschwindigkeit von 20 m/s im Schlauch. Weil diese Geschwindigkeit vom Schlauchdurchmesser abhängt, haben M- und H-Entstauber einen Wahlschalter für den Schlauchdurchmesser, Starmix nennt einen Bereich von 21 bis 35 mm. Steht der Schalter falsch, warnt das Gerät zu früh oder zu spät.
Die DGUV rät: Im Zweifel einen Entstauber kaufen. Er lässt sich auch als Industriestaubsauger nutzen, umgekehrt fehlt die Warnfunktion.
Staubklasse H und Asbest
Klasse H ist die höchste der drei Stufen, für Asbest reicht sie allein trotzdem nicht. Die DGUV verlangt für Asbestfasern Klasse H mit Zusatzanforderungen für Asbest und verweist auf die TRGS 519. Starmix beschreibt diese Kategorie als H-Asbest mit zusätzlicher Prüfung und jährlichem Filterwechsel.
Für Privatleute hat das eine klare Folge: Asbest ist kein Fall für den eigenen Sauger, auch nicht für ein H-Gerät. Arbeiten an asbesthaltigen Materialien sind sachkundigen Fachbetrieben vorbehalten. Warum ein HEPA-Haushaltsgerät dafür ungeeignet ist, steht im Ratgeber zum HEPA-Staubsauger bei Asbest.
Sinnvoll ist Klasse H im privaten Umfeld bei Schimmelsanierungen, die über einen kleinen Fleck hinausgehen. Schimmelsporen stehen in der DGUV-Tabelle unter Klasse H.
Entsorgung: staubarm und staubfrei
Die Staubklasse umfasst auch das Leeren: Der gesammelte Staub soll dabei in seinem Beutel bleiben. Deshalb fordert Klasse M eine staubarme und Klasse H eine staubfreie Entsorgung.
In der Praxis heißt das: Der Staub wird in einem Sicherheitsfilterbeutel oder einem Entsorgungssack aus Kunststoff gesammelt, der verschlossen aus dem Behälter genommen wird. Die DGUV hält dazu drei Regeln fest:
- Geräte, die für einen Beutel ausgelegt sind, nur mit Beutel betreiben. Ohne Beutel lässt sich der abgeschiedene Staub nicht gefahrlos entnehmen.
- Filterbeutel, Säcke und Behälter nicht wiederverwenden, auch wenn der Hersteller sie als wiederverwendbar kennzeichnet. Beim Ausleeren werden große Staubmengen frei.
- Für asbesthaltige Stäube Beutel aus Kunststoff oder Kunststoff mit eingelegtem Papier- oder Vliesbeutel verwenden.
Wann ein Industriesauger ohne Beutel arbeiten darf und wann der Beutel Vorschrift ist, beschreibt der Ratgeber zum Industriestaubsauger ohne Filterbeutel.
Nass-Trockensauger und Werkstattsauger mit Staubklasse
Die Staubklasse steht in der Herstellerangabe, ganz gleich, ob ein Gerät „Industriestaubsauger“, „Werkstattsauger“ oder „Nass-Trockensauger“ heißt. Geräte mit Staubklasse führen sie im Datenblatt und auf dem Gerät, meist direkt im Modellnamen oder als Zusatz wie „L“, „M“ oder „H“.
Viele einfache Nass-Trockensauger für den Haushalt sind gar nicht eingestuft. Für Wasser, Laub, Bohrmehl in kleinen Mengen und den Keller reicht das. Wer regelmäßig Holz schleift oder in Beton bohrt, ist mit einem eingestuften M-Gerät besser bedient.
Beim Nasssaugen setzt Klasse H eine Grenze. Laut DGUV sind Filter der Staubklasse H wegen ihres Materials in der Regel nicht für das Nasssaugen geeignet. Wird mit einem H-Gerät feuchter Staub aufgenommen, muss der H-Filter entsprechend oft erneuert werden. Für feuchte Stäube mit Gips oder Zement empfiehlt die DGUV auswaschbare Filter, die direkt nach der Arbeit gereinigt werden, weil die Stäube sonst im Filter abbinden und ihn zerstören.
Was im gewerblichen Einsatz gilt
Für Betriebe kommen zur Staubklasse weitere Pflichten hinzu. Die DGUV Information 209-084 nennt:
- Jährliche Prüfung der Funktionsfähigkeit durch den Hersteller oder eine befähigte Person.
- Wartung nach Betriebsanleitung, dazu gehören Reinigung, Beutelwechsel, Austausch von Verschleißteilen wie Schläuchen und Filtern sowie ein Probelauf.
- Entleeren nach Arbeitsende, spätestens bei Schichtende, wenn brennbare Stäube aufgesaugt wurden.
Für Holzstaub schreibt die TRGS 553 im gewerblichen Bereich Geräte mindestens der Klasse M vor. Privatleute sind an diese Regeln nicht gebunden. Die gesundheitliche Logik dahinter gilt in der eigenen Werkstatt genauso.
Fazit
Die Staubklassen L, M und H sagen, wie viel Staub ein Industriestaubsauger insgesamt wieder abgeben darf: höchstens 1 Prozent, 0,1 Prozent oder 0,005 Prozent. Die Klasse richtet sich nach dem Staub. Holz-, Quarz-, Lack- und Mineralwollestaub verlangen laut DGUV mindestens Klasse M, Schimmelpilze und krebserzeugende Metallstäube Klasse H, Asbest Klasse H mit Zusatzprüfung und einen Fachbetrieb. Für Heimwerker, die schleifen, fräsen und renovieren, ist ein Entstauber der Klasse M mit Sicherheitsbeutel die passende Wahl.
Häufige Fragen
Was bedeutet Staubklasse M?
Ein Sauger der Staubklasse M darf nach EN 60335-2-69 höchstens 0,1 Prozent des aufgenommenen Staubs wieder abgeben, er hält also mindestens 99,9 Prozent zurück. Geprüft wird das komplette Gerät mit Filter, Gehäuse und Dichtungen. Klasse M ist für Stäube mit einem Arbeitsplatzgrenzwert ab 0,1 mg/m³ gedacht, etwa Holzstaub, quarzhaltigen Staub und alte Mineralwolle. Die Entsorgung muss staubarm möglich sein.
Welche Staubklasse brauche ich für Holzstaub?
Mindestens Klasse M. Die DGUV Information 209-084 ordnet Holzstaub der Klasse M zu und verweist auf die Technische Regel TRGS 553. Hartholzstäube wie Eiche und Buche gelten als krebserzeugend. Für gewerbliche Schreinereien ist die Klasse M deshalb Pflicht, für Heimwerker beim Schleifen von Parkett oder Möbeln die sinnvolle Wahl.
Ist Staubklasse H dasselbe wie ein HEPA-Filter H13?
Nein. H13 ist eine Filterklasse nach EN 1822 und bewertet nur das Filtermedium, das bei der ungünstigsten Partikelgröße mindestens 99,95 Prozent zurückhält. Die Staubklasse H nach EN 60335-2-69 bewertet das ganze Gerät, das insgesamt höchstens 0,005 Prozent durchlassen darf. Ein Gerät mit H13-Filter erreicht die Staubklasse H nur, wenn auch Gehäuse und Dichtungen die Prüfung bestehen.
Darf ich mit einem Sauger der Klasse H Asbest saugen?
Nicht automatisch. Die DGUV Information 209-084 verlangt für Asbestfasern Klasse H mit Zusatzanforderungen für Asbest und verweist auf TRGS 519. Starmix beschreibt die Kategorie H-Asbest als Gerät mit zusätzlicher Prüfung. Asbestarbeiten selbst sind in Deutschland Sachkundigen und Fachbetrieben vorbehalten, Heimwerker beauftragen dafür einen Betrieb.
Was ist der Unterschied zwischen Industriestaubsauger und Entstauber?
Laut DGUV Information 209-084 vor allem die Warneinrichtung. Ein Entstauber wird an Elektrowerkzeuge angeschlossen und warnt optisch oder akustisch, wenn der Volumenstrom unter einen eingestellten Wert fällt. Ein Industriestaubsauger saugt abgelagerten Staub und hat nur eine Anzeige. Entstauber lassen sich auch als Industriestaubsauger nutzen, die DGUV empfiehlt im Zweifel den Entstauber.
Braucht ein Werkstattsauger für zu Hause eine Staubklasse?
Vorgeschrieben ist sie für private Nutzung nicht, viele Nass-Trockensauger für den Haushalt tragen auch keine. Für Arbeiten mit gesundheitsschädlichem Staub lohnt sie trotzdem: Wer Holz schleift, Schlitze in Beton fräst oder alte Dämmung ausbaut, arbeitet mit einem M-Gerät deutlich sauberer, weil Filter, Gehäuse und Entsorgung auf diesen Staub ausgelegt sind.
Kann ein Sauger der Klasse H auch nass saugen?
Eingeschränkt. Die DGUV Information 209-084 weist darauf hin, dass Filter der Staubklasse H wegen ihrer Materialeigenschaften in der Regel nicht für das Nasssaugen geeignet sind. Ist Klasse H gefordert und wird feuchter Staub aufgenommen, muss ein H-Filter eingesetzt und entsprechend oft erneuert werden. Für reines Wassersaugen ist ein Nass-Trockensauger mit waschbarem Filter das passende Gerät.