Seit wann gibt es Staubsauger? Die Geschichte in Daten

Seit 1901 saugen Staubsauger mit Motor, seit 1908 auch im Haushalt. Die Geschichte von Hess, Booth, Spangler, Siemens und Kobold bis zu Dyson und Saugroboter.

Staubsauger Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Die kurze Antwort: 1901, 1908 oder 1860?
  2. Vor dem Staubsauger: Besen, Klopfer, Teppichkehrer
  3. 1901: Der Motor kommt, und mit ihm der Unterdruck
  4. 1906: Siemens bringt den Staubsauger nach Deutschland
  5. 1908: Der erste Staubsauger für den Haushalt
  6. Die 1920er und 1930er: Der Staubsauger wird bezahlbar
  7. 1979 bis 1993: Akku und Zyklon
  8. Ab 2001: Saugroboter erobern die Wohnung
  9. 2014 und 2017: Die EU begrenzt die Wattzahl
  10. Was sich in 120 Jahren verändert hat
  11. Fazit
  12. Häufige Fragen

Die kurze Antwort: 1901, 1908 oder 1860?

Welche Jahreszahl stimmt, hängt davon ab, was du unter einem Staubsauger verstehst.

Was zählt als erster Staubsauger?JahrWer
Gerät mit Bürste und Blasebalg, per Hand bewegt1860Daniel Hess, USA
Sauger mit Motor und echtem Unterdruck1901Hubert Cecil Booth (England), David T. Kenney (USA)
tragbarer elektrischer Sauger für den Haushalt1907 gebaut, Patent 1908James Murray Spangler, USA
erstes Gerät in Deutschland1906Siemens
erster Saugroboter in Serie2001Electrolux Trilobite

Die gängigste Antwort ist 1901: Ab da arbeiteten Geräte mit einem Motor, der Luft und Staub ansaugt. Dieses Prinzip steckt bis heute in jedem Staubsauger, vom Bodensauger bis zum Roboter.

Zeitachse von 1860 bis 2020 mit fünf Phasen: Handbetrieb ab 1860, Motor ab 1901, elektrisch im Haushalt ab 1907, Akku und Zyklon ab 1979, Roboter ab 2001. Neun nummerierte Meilensteine: 1860 Teppichkehrer von Hess, 1901 Booth und Kenney, 1906 Siemens, 1908 Spangler und Hoover, 1930 Vorwerk Kobold, 1979 Dustbuster, 1993 Dyson DC01, 2002 Roomba, 2017 EU-Grenze 900 Watt.

Zwischen dem ersten Motor-Sauger 1901 und dem Haushaltsgerät lagen nur sieben Jahre, bis zum Saugroboter vergingen dann noch einmal fast hundert.

Vor dem Staubsauger: Besen, Klopfer, Teppichkehrer

Bis ins 19. Jahrhundert wurde Staub gekehrt, gebürstet und geklopft. Teppiche hingen über einer Stange im Hof und wurden mit dem Teppichklopfer bearbeitet, im Winter auch auf Schnee ausgebürstet. Das Problem dabei: Der Staub flog auf und setzte sich wenig später wieder auf Möbeln und Böden ab.

In den USA kamen ab 1860 die ersten mechanischen Helfer auf:

  • 1860, Daniel Hess: Sein Teppichkehrer sammelte Staub mit einer rotierenden Bürste und hatte zusätzlich einen Blasebalg, der Sog erzeugte. Damit war die Idee des Ansaugens geboren, wenn auch mit Muskelkraft.
  • 1868, Ives W. McGaffey: Der “Whirlwind” aus Chicago trieb einen Ventilator über einen Riemen an, der Nutzer kurbelte dabei von Hand.
  • 1876, Melville R. Bissell: Der Teppichkehrer aus Grand Rapids wurde ein Verkaufserfolg. Der Name Bissell steht bis heute auf Reinigungsgeräten.

All diese Geräte waren schwer zu bedienen, und ihr Sog reichte nur für losen Schmutz an der Oberfläche.

1901: Der Motor kommt, und mit ihm der Unterdruck

Kurz vor 1900 versuchten Erfinder es mit Druckluft. John S. Thurman ließ sich 1899 in den USA einen motorisierten “pneumatischen Teppich-Erneuerer” patentieren, der den Staub aus dem Teppich blies. Der Haken war offensichtlich: Weggeblasener Staub landet im Raum.

Der Brite Hubert Cecil Booth zog daraus den entscheidenden Schluss. Er beobachtete der Überlieferung nach, wie Arbeiter im Londoner Bahnhof St. Pancras einen Waggon mit einem Druckluftgerät reinigten, und kam zu der Erkenntnis, dass eine Maschine den Staub ansaugen muss. Am 30. August 1901 ließ er sich sein Gerät patentieren.

Booths Sauger war ein Ungetüm. Der “Puffing Billy” hatte die Größe einer Kutsche, wurde von Pferden vor das Haus gezogen und lief mit einem Motor auf der Straße. Lange Schläuche führten durch die Fenster in die Räume. Kunden buchten bei Booths Firma eine Reinigung samt Personal. Im selben Jahr entwickelte David T. Kenney in den USA unabhängig davon eine ähnliche, fest eingebaute Saug-Anlage.

1906: Siemens bringt den Staubsauger nach Deutschland

In Deutschland brachte Siemens 1906 seine Entstäubungspumpe auf den Markt. Grundlage war eine Vakuumpumpe aus dem eigenen Haus. Laut Unternehmensarchiv des heutigen Hausgeräte-Herstellers BSH wog das Gerät 150 Kilogramm, hatte einen vorgeschalteten Wasserfilter und stand auf einem fahrbaren Schlitten.

Für Privathaushalte war das nichts. Die Entstäubungspumpen waren sehr teuer und liefen in Hotels, Restaurants, Clubs und Institutionen. Erst mit der Zeit wurden die Geräte leiser, leichter und handlicher.

1908: Der erste Staubsauger für den Haushalt

Den Sprung in die Wohnung schaffte ein Hausmeister aus Ohio. James Murray Spangler litt an Asthma, und der Staub, den sein Teppichkehrer aufwirbelte, machte ihm zu schaffen. 1907 baute er aus einer Seifenkiste aus Blech, einem Kissenbezug als Staubsack, einem Besenstiel und einem Elektromotor einen tragbaren elektrischen Saugkehrer.

Seine wichtigste Idee: Er kombinierte das Gebläse mit der rotierenden Bürste des Teppichkehrers. Die Bürste lockert den Schmutz, der Luftstrom transportiert ihn ab. Nach diesem Prinzip arbeitet jede Elektrobürste bis heute.

Am 2. Juni 1908 erhielt Spangler sein Patent. Noch im selben Jahr kaufte es William Henry Hoover, der Mann seiner Cousine Susan Hoover. Hoover baute das Gerät in Serie, und der Firmenname wurde im Englischen zum Synonym für das Staubsaugen.

Die 1920er und 1930er: Der Staubsauger wird bezahlbar

In Europa begann der Verkauf an Privatleute kurz darauf. In Dänemark vertrieb die Firma Fisker & Nielsen, die heute als Nilfisk bekannt ist, ab 1910 Staubsauger. In Schweden kam 1921 das Electrolux Model V auf den Markt.

In Deutschland warben in den 1920er-Jahren Hersteller wie AEG mit dem Vampyr um die Haushalte. 1930 folgte Vorwerk mit einem Gerät, das eine ganze Gerätegattung prägte:

  • Idee: Vorwerk hatte zuvor Grammophon-Motoren gebaut. Chefingenieur Engelbert Gorissen funktionierte einen davon 1929 zum Antrieb eines Handstaubsaugers um.
  • Markteinführung: Laut Vorwerk kam der erste Kobold am 25. Mai 1930 auf den Markt.
  • Preis: 56 Reichsmark, für damalige Verhältnisse vergleichsweise günstig. Das Aluminiumgehäuse hielt das Gewicht niedrig.
  • Vertrieb: Verkauft wurde der Kobold über eine eigene, ebenfalls 1930 gegründete Organisation im Direktvertrieb an der Haustür.

Den Namen verdankt das Gerät einer Anekdote, die Vorwerk selbst erzählt: Die Sekretärin des Entwicklers soll beim ersten Anblick gesagt haben, das sei ja ein richtiger kleiner Kobold.

1979 bis 1993: Akku und Zyklon

Über Jahrzehnte änderte sich am Grundaufbau wenig: Motor, Gebläse, Staubbeutel, Schlauch und Düse. Die nächsten großen Schritte betrafen den Antrieb und die Staubtrennung.

1979 brachte Black & Decker den Dustbuster heraus, einen kleinen Handsauger mit Akku. Er war für Krümel, Autositze und schnelle Einsätze gedacht und gilt als Urvater der heutigen Akku-Sauger.

Im selben Jahr begann James Dyson mit der Arbeit an einem Sauger ohne Beutel. Bis 1984 baute er nach eigenen Angaben 5.127 Prototypen. Ab 1986 verkaufte eine japanische Firma eine Lizenzversion namens G-Force, 1993 kam der Dyson DC01 in Großbritannien auf den Markt. Er trennte den Staub per Fliehkraft in einem Zyklon und brauchte keinen Beutel mehr. Wie dieses Prinzip im Detail arbeitet, erklärt der Ratgeber zur Zyklon-Technologie im Staubsauger.

Ab 2001: Saugroboter erobern die Wohnung

Der erste Saugroboter, der in Serie gebaut und verkauft wurde, war der Electrolux Trilobite im Jahr 2001. Im September 2002 folgte der Roomba von iRobot. Er fuhr nach einem Zufallsmuster durch die Räume, war deutlich günstiger und machte den Saugroboter zum Massenprodukt.

Heute navigieren Saugroboter mit Laser oder Kamera, zeichnen Karten der Wohnung, leeren sich an einer Station selbst und wischen nebenbei. Welche Navigation welche Stärken hat, steht im Ratgeber Saugroboter: Kamera oder Laser.

2014 und 2017: Die EU begrenzt die Wattzahl

Lange galt beim Staubsauger: mehr Watt, mehr Leistung. Geräte mit über 2.000 Watt waren keine Seltenheit. Die EU-Ökodesign-Verordnung 666/2013 setzte dem ein Ende:

StichtagObergrenze für neue Haushalts-Trockensauger
bis 31. August 2014keine
ab 1. September 20141.600 Watt
ab 1. September 2017900 Watt

Seitdem konkurrieren die Hersteller über effizientere Motoren, dichtere Gehäuse und bessere Düsen. Was die Grenze für ältere Geräte bedeutet, steht im Artikel über den Bodenstaubsauger mit 2.000 Watt.

Was sich in 120 Jahren verändert hat

Das Grundprinzip von 1901 ist geblieben: Ein Gebläse erzeugt Unterdruck, die einströmende Luft reißt den Staub mit, und etwas hält ihn fest. Verändert haben sich vor allem vier Dinge:

Merkmalum 1901um 1930heute
GewichtGerät auf dem Pferdewagentragbarer HandsaugerAkku-Stielsauger um 1,5–3 kg
AntriebVerbrennungsmotor auf der StraßeElektromotor am KabelElektromotor am Kabel oder Akku
Staubsammlunggroßer Behälter im WagenStoffbeutelPapier- oder Vliesbeutel, Zyklon mit Behälter
BedienungReinigungsdienst mit PersonalHaushalt selbstMensch oder Roboter

Dazu kamen Filter, die Feinstaub zurückhalten, Elektrobürsten mit eigenem Motor und Wischfunktionen. Ein Gerät, das 1901 noch ein Pferdegespann brauchte, passt heute als Saugroboter unter das Sofa.

Fazit

Staubsauger mit Motor gibt es seit 1901, als Hubert Cecil Booth seinen pferdegezogenen Sauger in London patentieren ließ. In die Wohnungen kam der elektrische Staubsauger ab 1908 mit James Murray Spanglers Patent und dem Serienbau durch Hoover, in Deutschland machten Siemens ab 1906 und Vorwerk ab 1930 das Saugen bekannt. Danach folgten Akku (1979), beutellose Zyklon-Technik (1993) und Saugroboter (2001/2002). Das Prinzip aus Unterdruck, Luftstrom und Staubfang ist dabei seit über 120 Jahren dasselbe geblieben.

Häufige Fragen

Wer hat den Staubsauger erfunden?

Die Erfindung teilen sich mehrere Personen. Den ersten motorbetriebenen Sauger ließ sich der Brite Hubert Cecil Booth am 30. August 1901 patentieren, unabhängig davon baute im selben Jahr der Amerikaner David T. Kenney ein ähnliches Gerät. Den ersten tragbaren elektrischen Staubsauger für den Haushalt entwickelte James Murray Spangler, sein Patent stammt vom 2. Juni 1908.

Wie hieß der erste Staubsauger?

Das Gerät von Hubert Cecil Booth bekam in London den Spitznamen "Puffing Billy". Es war so groß wie eine Kutsche und wurde von Pferden vor das Haus gezogen, die Schläuche führten durch die Fenster in die Räume. Spangler nannte seine Erfindung "suction sweeper", also Saugkehrer.

Seit wann gibt es Staubsauger in Deutschland?

Siemens brachte 1906 seine Entstäubungspumpe auf den Markt, ein 150 Kilogramm schweres Gerät auf einem fahrbaren Schlitten für Hotels, Restaurants und Clubs. Für Privathaushalte folgten in den 1920er-Jahren Geräte wie der AEG Vampyr und 1930 der Vorwerk Kobold, der 56 Reichsmark kostete.

Wie hat man vor dem Staubsauger sauber gemacht?

Mit Besen, Bürsten und Teppichklopfern. Teppiche wurden über eine Stange gehängt und ausgeklopft, im Winter auch im Schnee ausgebürstet. Ab 1860 gab es in den USA mechanische Teppichkehrer mit rotierender Bürste, einige davon mit einem Blasebalg, der etwas Sog erzeugte.

Seit wann gibt es beutellose Staubsauger?

James Dyson baute zwischen 1979 und 1984 insgesamt 5.127 Prototypen eines Zyklon-Saugers. Ab 1986 verkaufte er in Japan eine Lizenzversion namens G-Force, 1993 kam mit dem Dyson DC01 der erste Zyklon-Sauger unter eigenem Namen in Großbritannien auf den Markt.

Seit wann gibt es Saugroboter?

Als erster in Serie gefertigter Saugroboter gilt der Electrolux Trilobite von 2001. Im September 2002 folgte der Roomba von iRobot, der mit Zufallsnavigation arbeitete und den Saugroboter zum Massenprodukt machte. Heutige Geräte navigieren per Laser oder Kamera und wischen oft zusätzlich.

Seit wann gibt es Akku-Staubsauger?

Der erste weit verbreitete Akku-Sauger war 1979 der Dustbuster von Black & Decker, ein kleiner Handsauger für Krümel und Autositze. Akku-Stielsauger, die einen Bodenstaubsauger im Alltag ersetzen, setzten sich erst Jahrzehnte später mit leistungsfähigen Lithium-Ionen-Akkus durch.

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