Auf älteren Staubsaugern klebt ein Etikett mit mehreren Buchstaben, und einer davon steht für die Teppichreinigungsklasse. Bei neuen Geräten fehlt das Etikett komplett. Beides hat denselben Hintergrund: eine EU-Verordnung, die 2014 startete und 2019 wieder verschwand. Was der Buchstabe misst und was heute an seine Stelle tritt, klärt dieser Ratgeber.
Was die Teppichreinigungsklasse gemessen hat
Hinter dem Buchstaben steht ein einziger Messwert: die Staubaufnahme, im Verordnungstext als dpu bezeichnet, kurz für dust pick-up. Der Wert beschreibt, welcher Anteil eines definierten Prüfstaubs nach einer festgelegten Zahl von Saugzügen im Gerät gelandet ist.
Der Prüfaufbau folgte der Norm EN 60312-1. Verwendet wurde ein genormter Wilton-Teppich, ein dicht gewebter Schlingenteppich mit reproduzierbarer Florhöhe. In diesen Teppich wurde Mineralstaub definierter Korngröße eingearbeitet, danach fuhr die Düse eine festgelegte Anzahl von Zügen darüber. Gewogen wurde vorher und nachher.
Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in der Vergleichbarkeit: Jedes Gerät sah denselben Teppich, denselben Staub und dieselbe Zugzahl. Der Nachteil steckt in den Randbedingungen, dazu unten mehr.
Die Klassengrenzen
Nach Anhang I der Verordnung (EU) Nr. 665/2013 verteilten sich die Klassen in gleichmäßigen Schritten von 0,04:
| Klasse | Staubaufnahme (dpu) | Entspricht etwa |
|---|---|---|
| A | ab 0,91 | 91 % des Prüfstaubs |
| B | ab 0,87 | 87 % |
| C | ab 0,83 | 83 % |
| D | ab 0,79 | 79 % |
| E | ab 0,75 | 75 % |
| F | ab 0,71 | 71 % |
| G | unter 0,71 | weniger als 71 % |
Der Abstand zwischen A und E beträgt damit 16 Prozentpunkte. Auf einem Zug klingt das nach wenig, über eine Wohnung mit 60 Quadratmetern Teppichfläche summiert sich der Unterschied allerdings zu einer spürbaren Menge Staub, die im Teppich zurückbleibt.

Die Klassen lagen 0,04 auseinander, und die Verkaufsgrenze schneidet die Skala mitten in Klasse E.
Warum Hartboden andere Zahlen zeigt
Das Label führte zwei Reinigungsklassen: eine für Teppich, eine für Hartboden. Beide entstanden in getrennten Prüfaufbauten.
Auf Hartboden wird nicht die freie Fläche geprüft, weil dort fast jedes Gerät nahezu alles aufnimmt. Stattdessen füllt der Prüfstaub eine definierte Ritze in einer Prüfplatte, die eine Fliesenfuge oder eine Diele nachbildet. Die Düse fährt darüber, und gemessen wird, wie viel aus der Ritze herauskommt.
Weil die Bezugsgrößen unterschiedlich normiert sind, liegen die Zahlenwerte auf einem anderen Niveau. Der Mindestwert der Ökodesign-Verordnung liegt auf Hartboden bei 0,98 und auf Teppich bei 0,75. Ein direkter Vergleich der beiden Buchstaben führt deshalb in die Irre.
Warum Klasse A auf Teppich selten blieb
Zwei physikalische Gründe erklären, warum die Bestenliste auf Teppich kurz war.
Teppich verlangt Mechanik. Auf Hartboden reicht ein kräftiger Luftstrom, der den Staub von der glatten Fläche abhebt. Im Teppichflor sitzen die Partikel zwischen den Fasern und werden von ihnen festgehalten. Um sie herauszulösen, braucht es eine rotierende Bürste, Anpressdruck und einen Luftstrom, der wirklich durch den Flor geht. Warum das so ist und wie sich Düsen darin unterscheiden, zeigt der Ratgeber Staubsauger saugt nicht mehr stark.
Die Leistungsgrenze kam gleichzeitig. Ab September 2017 durfte die Nennleistung 900 Watt nicht mehr überschreiten. Wer bis dahin Saugleistung über die Motorleistung erzeugt hatte, musste sie nun über Strömungsführung, Dichtheit und Düsenmechanik holen. Was Watt über die Saugkraft tatsächlich aussagt, erklärt der Ratgeber Bodenstaubsauger mit 2000 Watt.
Das Ergebnis war eine typische Kombination: Hartbodenklasse A oder B, Teppichklasse C oder schlechter. Geräte mit Elektrobürste standen dabei deutlich besser da als solche mit reiner Umschaltdüse.
Warum das Label verschwunden ist
Die Verordnung (EU) Nr. 665/2013 regelte die Kennzeichnung, ihre Schwester (EU) Nr. 666/2013 die Mindestanforderungen. Beide traten im September 2014 in Kraft.
Der Hersteller Dyson klagte gegen die Kennzeichnungsverordnung. Kern der Kritik war das Prüfverfahren: Gemessen wurde am leeren Staubbehälter mit frischem Filter. Geräte mit Beutel verlieren im Betrieb Saugleistung, sobald sich der Beutel füllt und die Filterfläche zusetzt, während beutellose Zyklongeräte diesen Effekt schwächer zeigen. Ein Test am leeren Gerät bildet diesen Unterschied nicht ab.
Am 8. November 2018 erklärte das Gericht der Europäischen Union die Kennzeichnungsverordnung für nichtig. Begründung: Die gewählte Messmethode widerspricht dem Ziel, den Verbrauch unter möglichst realistischen Gebrauchsbedingungen abzubilden. Die Kommission legte kein Rechtsmittel ein, damit wurde das Urteil rechtskräftig, und seit Januar 2019 darf das Label nicht mehr verwendet werden.
Wichtig für die Praxis: Aufgehoben wurde allein die Kennzeichnung. Die Mindestanforderungen der Ökodesign-Verordnung blieben unberührt.
Was heute verbindlich gilt
Die Ökodesign-Verordnung (EU) Nr. 666/2013 schreibt seit dem 1. September 2017 folgende Werte vor:
| Anforderung | Grenzwert seit 09/2017 | Wert 09/2014 bis 08/2017 |
|---|---|---|
| Nennleistung | unter 900 W | unter 1.600 W |
| Jahresenergieverbrauch | max. 43 kWh | max. 62 kWh |
| Schallleistungspegel | max. 80 dB(A) | keine Vorgabe |
| Staubemission | max. 1,00 % | keine Vorgabe |
| Staubaufnahme Teppich | mindestens 0,75 | mindestens 0,70 |
| Staubaufnahme Hartboden | mindestens 0,98 | keine Vorgabe |
| Motorlebensdauer | mindestens 500 Stunden | keine Vorgabe |
| Schlauchhaltbarkeit | 40.000 Schwenkungen unter Last | keine Vorgabe |
Der Mindestwert von 0,75 auf Teppich entspricht dabei genau der unteren Grenze der früheren Klasse E. Alles, was zu Label-Zeiten in F oder G gefallen wäre, ist heute nicht mehr verkehrsfähig.
Wo die Verordnung nicht greift
Der Geltungsbereich schließt mehrere Bauarten aus: akkubetriebene Sauger, Saugroboter, Nass- und Nass-Trockensauger, Industriesauger, Zentralstaubsauger und Geräte für den Außenbereich. Deshalb gibt es weiterhin Werkstattsauger mit 1.400 Watt und Akku-Stielsauger, deren Herstellerangaben ganz anderen Größen folgen.
Bei Saugrobotern ist das besonders sichtbar: Sie tragen keine Reinigungsklasse, dafür geben Hersteller die Saugkraft in Pascal an. Was diese Zahl wert ist und worauf es bei der Filterstufe ankommt, steht im Ratgeber Saugroboter mit HEPA-Filter.
Woran du die Teppichleistung heute erkennst
Ohne Label bleiben drei Wege, und sie ergänzen sich.
Die Düse ansehen. Das ist der wichtigste Punkt, weil auf Teppich die Mechanik entscheidet.
- Elektrobürste: eigener Motor, konstante Drehzahl auch bei hohem Flor. Die stärkste Lösung für Teppich, braucht Stromkontakte im Rohr.
- Turbobürste: Antrieb über ein Turbinenrad im Luftstrom, günstiger und markenübergreifend nutzbar, verliert bei hohem Widerstand an Drehzahl.
- Umschaltdüse: einfache Bodendüse mit ausfahrbarer Borstenleiste, auf Kurzflor brauchbar, auf Hochflor deutlich schwächer.
Welche Düse an welches Rohr passt, klärt der Ratgeber Staubsauger-Zubehör universal.
Auf die Dichtheit achten. Jede Undichtigkeit zwischen Düsenmund und Filter kostet Unterdruck genau dort, wo er gebraucht wird. Verschlissene Dichtungen, ein rissiger Schlauch am Griffansatz oder ein locker sitzendes Rohr wirken sich auf Teppich stärker aus als auf Hartboden.
Fremde Messwerte nutzen. Verbraucherorganisationen und Fachmagazine prüfen weiterhin nach vergleichbaren Verfahren und veröffentlichen Teppichwerte. Diese Daten sind heute die naheliegendste Ersatzquelle für den fehlenden Buchstaben.
Was bei Tierhaaren dazukommt
Tierhaare verhalten sich anders als Mineralstaub. Sie sind lang, leicht und verhaken sich mit ihrer Schuppenstruktur im Flor, weshalb ein hoher dpu-Wert allein wenig über die Tierhaarleistung aussagt. Hier zählt die Bürstenwalze, dazu eine Konstruktion, die aufgewickelte Haare wieder freigibt. Die passende Routine dazu steht im Ratgeber Hundehaare in der Wohnung entfernen.
Was die Klasse im Alltag wirklich bedeutet
Der Prüfwert entsteht unter Idealbedingungen: leerer Behälter, frischer Filter, genormter Teppich, definierte Zugzahl. Im Haushalt weicht jede dieser Bedingungen ab.
Drei Faktoren senken die tatsächliche Aufnahme deutlich stärker, als der Unterschied zwischen zwei Klassen ausmacht:
- Füllstand. Ein Beutel ab etwa zwei Dritteln Füllung reduziert die Filterfläche und damit den Luftstrom. Wie oft ein Wechsel sinnvoll ist, steht im Ratgeber wie oft Staubsaugerbeutel wechseln.
- Filterzustand. Ein zugesetzter Motorschutz- oder Abluftfilter wirkt wie eine Bremse im Luftweg.
- Zuggeschwindigkeit. Der Prüfaufbau arbeitet mit langsamen, gleichmäßigen Zügen. Schnelles Saugen halbiert die Kontaktzeit je Faser.
Daraus folgt eine praktische Reihenfolge: Wer die Teppichleistung verbessern will, tauscht zuerst Beutel und Filter, arbeitet dann langsamer und investiert erst danach in eine bessere Düse.
Fazit
Die Teppichreinigungsklasse beschrieb einen einzigen Laborwert: die Staubaufnahme auf einem genormten Wilton-Teppich, gemessen am leeren Gerät. A stand für mindestens 0,91, jede weitere Klasse lag 0,04 darunter, und G begann unterhalb von 0,71.
Seit Januar 2019 fehlt der Buchstabe, weil das Gericht der Europäischen Union die Kennzeichnungsverordnung im November 2018 für nichtig erklärt hat. Erhalten blieb die Ökodesign-Verordnung mit ihren Mindestwerten: 900 Watt, 80 dB(A), 1,00 Prozent Staubemission und mindestens 0,75 Staubaufnahme auf Teppich.
Für die Kaufentscheidung zählt seitdem die Technik am Boden: eine angetriebene Bürstenwalze, eine höhenverstellbare Düse und ein dichter Luftweg bringen auf Teppich mehr als jede Wattzahl. Auf einem gebrauchten Gerät bleibt der alte Buchstabe ein brauchbarer Anhaltspunkt, solange klar ist, unter welchen Bedingungen er entstanden ist.
Häufige Fragen
Was bedeutet Teppichreinigungsklasse A?
Klasse A stand für eine Staubaufnahme von mindestens 0,91 auf einem genormten Prüfteppich, also rund 91 Prozent des eingebrachten Prüfstaubs. Die Skala reichte von A bis G in Schritten von 0,04, Klasse G lag unter 0,71. Der Wert stammte aus einem Laborverfahren mit definiertem Mineralstaub und einer festgelegten Zahl von Saugzügen, gemessen am leeren Gerät.
Warum steht die Klasse auf neuen Staubsaugern nicht mehr drauf?
Weil die zugrunde liegende Kennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 665/2013 nicht mehr gilt. Das Gericht der Europäischen Union erklärte sie am 8. November 2018 für nichtig, nachdem der Hersteller Dyson geklagt hatte. Kernpunkt war die Messung am leeren Staubbehälter, die den realen Gebrauchsbedingungen widerspricht. Die Kommission legte kein Rechtsmittel ein, seit Januar 2019 ist das Label damit entfallen.
Gelten die Mindestanforderungen an Staubsauger noch?
Ja, denn sie stehen in einer anderen Verordnung. Die Ökodesign-Verordnung (EU) Nr. 666/2013 blieb in Kraft und schreibt seit dem 1. September 2017 vor: höchstens 900 Watt Nennleistung, höchstens 43 kWh Jahresenergieverbrauch, höchstens 80 dB(A) Schallleistungspegel, höchstens 1,00 Prozent Staubemission, mindestens 0,75 Staubaufnahme auf Teppich, mindestens 0,98 auf Hartboden, dazu mindestens 500 Stunden Motorlebensdauer.
Was ist der Unterschied zwischen Teppich- und Hartbodenreinigungsklasse?
Es sind zwei getrennte Messungen mit unterschiedlichen Prüfaufbauten. Auf Teppich wird Prüfstaub in einen genormten Wilton-Teppich eingearbeitet und anschließend die aufgenommene Menge bestimmt. Auf Hartboden wird eine definierte Ritze in einer Prüfplatte mit Staub gefüllt, die Düse fährt darüber. Weil beide Aufbauten anders normiert sind, liegen die Zahlenwerte auf unterschiedlichen Niveaus, ein Vergleich der beiden Buchstaben ergibt keinen Sinn.
Warum erreichten so wenige Geräte auf Teppich die Klasse A?
Auf Teppich muss der Sauger den Staub aus dem Flor lösen, und dafür braucht es Bürstenmechanik, Anpressdruck und Luftstrom durch die Faser. Auf Hartboden genügt der Luftstrom weitgehend allein. Da die Ökodesign-Verordnung parallel die Leistungsaufnahme auf 900 Watt begrenzte, blieb der Spielraum klein. Viele Geräte lagen deshalb auf Hartboden bei A oder B und auf Teppich im Mittelfeld.
Kann ich mich beim Gebrauchtkauf auf die alte Klasse verlassen?
Als Anhaltspunkt ja, als Garantie nein. Der Wert wurde am fabrikneuen Gerät mit leerem Behälter und frischem Filter ermittelt. Genau daran entzündete sich das Gerichtsverfahren: Ein Sauger mit halb vollem Beutel oder gesetztem Filter erreicht diese Werte im Alltag selten. Für den Vergleich zweier Geräte derselben Bauart aus derselben Zeit bleibt der Buchstabe trotzdem brauchbar.
Woran erkenne ich heute einen guten Teppichsauger?
An der Düse und an der Dichtheit des Luftwegs. Eine angetriebene Bürstenwalze, also Turbo- oder Elektrobürste, löst Staub aus dem Flor, eine höhenverstellbare Umschaltdüse passt den Abstand an die Florhöhe an. Dazu zählen ein sauber abgedichteter Weg vom Düsenmund bis zum Filter und ein Filtersystem, das den Luftstrom nicht früh abwürgt. Bei Akkugeräten geben Hersteller häufig den Unterdruck in Kilopascal oder den Luftstrom in Air Watt an.
Gibt es Sauger ganz ohne diese Vorgaben?
Ja, mehrere Bauarten fallen aus dem Geltungsbereich der Ökodesign-Verordnung heraus: akkubetriebene Geräte, Saugroboter, Nass- und Nass-Trockensauger, Industriesauger, Zentralstaubsauger sowie Geräte für den Außenbereich. Deshalb gibt es weiterhin Akku-Stielsauger und Werkstattsauger mit deutlich mehr als 900 Watt Anschlussleistung.
Kommt ein neues EU-Label für Staubsauger?
Die EU-Kommission arbeitet seit dem Urteil an einer überarbeiteten Regelung mit einem Prüfverfahren, das teilgefüllte Behälter berücksichtigt. Ein verbindlicher Starttermin steht bislang nicht fest, und die Arbeiten wurden mehrfach verschoben. Bis dahin bleibt die Ökodesign-Verordnung die einzige geltende Vorgabe, und Vergleichswerte liefern Tests von Verbraucherorganisationen und Fachmagazinen.