Feinstaub verbindet man mit Autoverkehr und Umweltzonen. Die höchsten Werte, denen die meisten Menschen im Alltag begegnen, entstehen jedoch in der eigenen Küche. Weil wir den größten Teil des Tages in Innenräumen verbringen, entscheidet sich dort ein großer Teil der Gesamtbelastung. Hier steht, woher die Partikel in der Wohnung kommen, an welchen Werten du dich orientieren kannst und welche Maßnahmen tatsächlich etwas bewegen.
Was Feinstaub ist
Feinstaub bezeichnet Partikel, die klein genug sind, um über längere Zeit in der Luft zu schweben. Eingeteilt wird nach dem aerodynamischen Durchmesser:
| Klasse | Durchmesser | Verhalten in der Luft | Eindringtiefe im Atemtrakt |
|---|---|---|---|
| PM10 | bis 10 µm | Stunden in der Schwebe | Nase, Rachen, Bronchien |
| PM2,5 | bis 2,5 µm | Stunden bis Tage | Lungenbläschen |
| Ultrafeine Partikel | unter 0,1 µm | Tage, folgt der Luftströmung | Übergang in den Blutkreislauf möglich |
Der Unterschied zum Hausstaub liegt in der Größe und damit im Verhalten. Hausstaub besteht überwiegend aus Teilchen über 10 Mikrometern: Textilfasern, Hautschuppen, Sand, Pollen. Sie sinken in Minuten zu Boden und bilden die sichtbare Schicht auf dem Regal. Feinstaub bleibt in der Schwebe und ist unsichtbar. Woraus sich der sichtbare Anteil zusammensetzt, zeigt der Ratgeber woraus Hausstaub besteht.
Beide hängen trotzdem zusammen: Abgesetzter Staub wird durch Bewegung im Raum wieder aufgewirbelt, und sein feiner Anteil bleibt danach in der Luft.
Welche Werte als Orientierung dienen
Für Innenräume gibt es in Deutschland keine verbindlichen Grenzwerte für Feinstaub. Als Orientierung dienen zwei Referenzen.
Die Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2021 sind die strengsten und gesundheitlich begründet:
| Kenngröße | Jahresmittel | Tagesmittel |
|---|---|---|
| PM2,5 | 5 µg/m³ | 15 µg/m³ |
| PM10 | 15 µg/m³ | 45 µg/m³ |
Die EU-Grenzwerte gelten rechtlich für die Außenluft. Aktuell liegt der Jahresmittelwert für PM10 bei 40 µg/m³ und für PM2,5 bei 25 µg/m³. Mit der neuen EU-Luftqualitätsrichtlinie sinken diese Werte ab 2030 auf 20 µg/m³ für PM10 und 10 µg/m³ für PM2,5 und nähern sich damit den WHO-Richtwerten an.
Für die Praxis in der Wohnung ist die absolute Zahl weniger wichtig als das Muster: Die Belastung entsteht in kurzen Spitzen, und die Fläche unter diesen Spitzen macht den größten Teil der Tagesdosis aus.
Woher der Feinstaub in der Wohnung kommt

Innenraum-Feinstaub entsteht in wenigen Minuten und klingt danach ab, wie schnell, entscheidet der Luftaustausch.
Die Quellen lassen sich in vier Gruppen sortieren:
| Quelle | Wann sie wirkt | Größenklasse | Wirksamste Gegenmaßnahme |
|---|---|---|---|
| Braten, Frittieren, Backen | während und kurz nach dem Kochen | überwiegend ultrafein | Abluft-Dunstabzug, danach querlüften |
| Kerzen, Öllampen, Räucherstäbchen | während des Brennens und beim Löschen | PM2,5 und ultrafein | Zugluft vermeiden, Docht kürzen, Löschhütchen |
| Kaminofen, offener Kamin | beim Anzünden und Nachlegen | PM2,5 | von oben anzünden, trockenes Holz, zügig schließen |
| Tabakrauch | dauerhaft nach jeder Zigarette | PM2,5 und ultrafein | draußen rauchen |
| Laserdrucker, 3D-Drucker | in den ersten Minuten des Drucks | ultrafein | eigener Raum, lüften |
| Staubsaugen, Kehren, Betten machen | während der Tätigkeit | PM10 und PM2,5 | dichtes Gerät, feucht wischen |
| Außenluft (Verkehr, Heizungen) | dauerhaft, je nach Lage | PM10 und PM2,5 | Lüftungszeiten wählen, Filter in der Lüftungsanlage |
Kochen: die stärkste Quelle im Alltag
Beim Braten passieren zwei Dinge gleichzeitig. Erhitztes Öl beginnt oberhalb seines Rauchpunkts zu zersetzen und bildet dabei große Mengen ultrafeiner Partikel. Angebratenes Eiweiß aus Fleisch, Fisch und Ei liefert eine zweite Fraktion. Je heißer die Pfanne und je länger der Vorgang, desto mehr entsteht.
Das lässt sich mit vier Handgriffen deutlich reduzieren:
Die Dunstabzugshaube früh einschalten, am besten zwei Minuten vor dem ersten Kontakt von Öl und Pfanne. Eine Haube braucht Anlaufzeit, um die aufsteigende Wolke zu erfassen.
Abluft schlägt Umluft. Eine Abluft-Haube führt die Partikel nach draußen. Eine Umluft-Haube filtert Fett im Metallfilter und Gerüche im Aktivkohlefilter, den feinen Partikelanteil hält sie nur zum Teil zurück und gibt den Rest in die Küche ab. Wo eine Abluftführung fehlt, wird Lüften umso wichtiger.
Öl mit hohem Rauchpunkt wählen. Raffiniertes Rapsöl und Erdnussöl vertragen etwa 200 bis 230 Grad, natives Olivenöl und Butter deutlich weniger. Wer scharf anbrät, sollte das passende Fett nehmen.
Direkt nach dem Kochen querlüften, fünf bis zehn Minuten mit zwei gegenüberliegenden Fenstern. Das ist der Schritt mit der größten Wirkung, weil er die Spitze abschneidet, statt sie über Stunden auslaufen zu lassen.
Kerzen, Kamin und andere Verbrennung
Jede offene Flamme im Raum erzeugt Partikel. Wie viele, hängt an der Vollständigkeit der Verbrennung.
Kerzen rußen umso stärker, je unruhiger die Flamme brennt. Zugluft von einem gekippten Fenster oder aus einem Durchgang lässt sie flackern, dabei wird die Verbrennung unvollständig. Drei Punkte helfen:
- Docht auf 5 bis 10 Millimeter kürzen, bevor die Kerze angezündet wird.
- Zugluft vermeiden, also Standort abseits von Türen und gekippten Fenstern.
- Mit einem Löschhütchen ersticken. Beim Auspusten entsteht eine sichtbare Rußfahne, die vollständig im Raum bleibt.
Kaminöfen setzen die meisten Partikel beim Anzünden und beim Nachlegen frei, weil die Verbrennung dann kalt und unvollständig läuft. Anzünden von oben verkürzt diese Phase deutlich, trockenes Holz mit unter 20 Prozent Restfeuchte ebenfalls. Die Tür beim Nachlegen zügig wieder schließen, damit möglichst wenig Rauch in den Raum tritt.
Räucherstäbchen erzeugen bezogen auf ihre Größe sehr viel Rauch, weil sie ohne Flamme glimmen. In kleinen Räumen ist ihre Wirkung auf die Partikelkonzentration erheblich.
Wenn der Staubsauger die Quelle ist
Saugen bewegt Luft und Staub, und beides kann die Feinstaubkonzentration im Raum kurzfristig anheben. Zwei Wege führen dorthin.
Die Bodendüse wirbelt auf. Der Luftstrom löst abgesetzte Partikel vom Belag, und der feine Anteil bleibt in der Schwebe, statt in den Behälter zu wandern. Auf Hartboden ist der Effekt stärker als auf Teppich, weil dort nichts festhält.
Die Abluft trägt hinaus, was das Filtersystem durchlässt. Hier entscheidet die Konstruktion. Ein feiner Filter wirkt in dem Maß, in dem die Luft ihn tatsächlich durchströmt. Zieht das Gerät Nebenluft durch Gehäusespalten, an der Beuteldichtung oder am Filterrahmen vorbei, gelangt ein Teil des Luftstroms ungefiltert nach draußen. Genau deshalb steht bei Allergikergeräten die Dichtigkeit des Gehäuses gleichberechtigt neben der Filterklasse. Wie die Klassen definiert sind und was die Zahlen hinter dem H bedeuten, steht im Ratgeber HEPA-Filter: Definition und Klassen.
Praktisch lässt sich der Effekt gut begrenzen:
- Filter im Takt wechseln. Ein zugesetzter Filter erhöht den Unterdruck im Gerät und damit den Anteil an Nebenluft. Welche Filter in welchem Intervall dran sind, zeigt der Ratgeber Staubsauger-Filter für Allergiker.
- Beim Saugen das Fenster öffnen und danach noch einige Minuten offen lassen.
- Erst saugen, dann feucht wischen. Der feuchte Bezug nimmt auf, was sich nach dem Saugen wieder absetzt.
- Beutel im Freien wechseln, weil beim Herausziehen ein Teil des Inhalts austritt.
Was gegen Feinstaub in der Wohnung hilft
Sortiert nach Wirkung im Verhältnis zum Aufwand:
| Maßnahme | Wirkung | Aufwand |
|---|---|---|
| Nach jedem Kochvorgang querlüften | sehr hoch | 5–10 Minuten |
| Abluft-Dunstabzug früh einschalten | sehr hoch | keiner |
| Drinnen nicht rauchen | sehr hoch | Gewohnheit |
| Kerzen ohne Zugluft, mit Löschhütchen | hoch | wenige Sekunden |
| Kaminofen von oben anzünden | hoch | keiner |
| Feucht wischen statt trocken kehren | mittel | wie gewohnt |
| Schuhe an der Tür ausziehen | mittel | Gewohnheit |
| Staubsauger mit dichtem Gehäuse | mittel | einmalige Anschaffung |
| Laserdrucker in einen Nebenraum | mittel | einmalig |
| Luftreiniger mit Partikelfilter | mittel bis hoch | Anschaffung plus Filter |
| Textilien reduzieren, glatte Böden | gering bis mittel | Einrichtung |
Die ersten drei Zeilen erledigen den größten Teil der Arbeit und kosten nichts. Alles Weitere lohnt sich dort, wo eine Quelle bleibt, die sich nicht abstellen lässt. Weitere Ansätze für den groben, sichtbaren Anteil stehen im Ratgeber was gegen Hausstaub hilft.
Luftreiniger: wann sich einer lohnt
Ein Luftreiniger mit Partikelfilter senkt die Konzentration im Raum messbar, solange seine Leistung zum Raum passt. Die entscheidende Kennzahl ist der CADR-Wert (Clean Air Delivery Rate) in Kubikmetern pro Stunde. Er gibt an, wie viel partikelfreie Luft das Gerät liefert.
Die Rechnung für einen Raum:
- Raumvolumen bestimmen: Fläche mal Höhe. Ein Zimmer mit 20 m² und 2,50 m Höhe hat 50 m³.
- Mit dem gewünschten Luftwechsel multiplizieren. Für Feinstaub sind vier bis fünf Wechsel pro Stunde ein sinnvoller Zielwert.
- Ergebnis: 50 m³ × 5 = 250 m³/h benötigter CADR.
Zwei Punkte gehören zur Einordnung dazu. Erstens laufen viele Geräte nur auf der höchsten Stufe mit dem angegebenen CADR, und diese Stufe ist oft laut. Zweitens erreicht ein Luftreiniger die Quelle nie: Er arbeitet an dem, was schon in der Luft ist. Gegen eine bratende Pfanne kommt er nicht an, gegen die Grundbelastung an einer viel befahrenen Straße dagegen sehr wohl.
Ozon-Generatoren und Ionisatoren gehören in eine andere Kategorie. Sie erzeugen Ozon, das selbst ein Reizstoff für die Atemwege ist, und lösen das Partikelproblem nicht.
Feinstaub selbst messen
Für den Hausgebrauch gibt es optische Partikelsensoren ab etwa 30 Euro, in besserer Ausführung ab rund 100 Euro. Sie leiten die Partikelzahl aus gestreutem Laserlicht ab. Ihre Absolutwerte weichen von amtlichen Messungen ab, für den Alltag reicht das trotzdem gut aus, denn interessant ist der Verlauf.
Was sich damit gut beobachten lässt:
- Wie stark eine Pfanne ausschlägt und wie lange die Spitze ohne Lüften braucht.
- Ob die Dunstabzugshaube etwas bewirkt, im direkten Vergleich mit und ohne.
- Wie schnell Querlüften wirkt, meist innerhalb von fünf Minuten sichtbar.
- Ob eine Außenquelle vorliegt, erkennbar an einem erhöhten Grundniveau ohne Ereignis im Raum.
Nach ein bis zwei Wochen Beobachtung ist meist klar, welche zwei oder drei Gewohnheiten in genau dieser Wohnung den Unterschied machen.
Fazit
Feinstaub in der Wohnung ist ein Spitzenphänomen. Zwischen den Ereignissen liegt die Konzentration nahe am Niveau der Außenluft, die Tagesdosis entsteht in wenigen Minuten am Herd, an der Kerze und am Ofen.
Daraus folgt die Reihenfolge der Maßnahmen: erst die stärkste Quelle entschärfen, also Abluft-Dunstabzug früh einschalten und das passende Öl verwenden, danach direkt querlüften. Diese beiden Schritte kosten nichts und wirken stärker als jedes Gerät.
Bleibt eine Quelle bestehen, die sich nicht abstellen lässt, ergänzt ein Luftreiniger mit passendem CADR sinnvoll. Und beim Saugen zählt die Dichtigkeit des Gehäuses ebenso viel wie die Filterklasse, sonst wandert der feine Anteil über die Abluft direkt zurück in den Raum.
Häufige Fragen
Ist die Feinstaubbelastung drinnen höher als draußen?
In der Regel ja, sobald im Raum etwas passiert. Wir verbringen den größten Teil des Tages in Innenräumen, und dort liegen die stärksten Quellen: Braten, Kerzen, offene Feuerstellen und Rauchen. Ohne solche Ereignisse pendelt sich die Innenraumluft nahe am Niveau der Außenluft ein, weil Partikel über Fenster und Undichtigkeiten hereinkommen.
Welche Feinstaubwerte gelten für Innenräume?
Verbindliche Grenzwerte für Innenräume gibt es in Deutschland nicht. Als Orientierung dienen die Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2021: für PM2,5 ein Jahresmittel von 5 Mikrogramm pro Kubikmeter und ein Tagesmittel von 15, für PM10 ein Jahresmittel von 15 und ein Tagesmittel von 45 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die EU-Grenzwerte gelten rechtlich nur für die Außenluft.
Was ist der Unterschied zwischen Feinstaub und Hausstaub?
Die Partikelgröße und damit das Verhalten in der Luft. Hausstaub besteht überwiegend aus groben Teilchen über 10 Mikrometern, die innerhalb von Minuten zu Boden sinken und sich als sichtbare Schicht absetzen. Feinstaub bleibt Stunden bis Tage in der Schwebe und ist dabei unsichtbar. Beide entstehen zum Teil aus denselben Quellen.
Erzeugt Kochen wirklich so viel Feinstaub?
Braten und Frittieren sind in Haushalten ohne Raucher die stärkste Einzelquelle. Beim Erhitzen von Öl über den Rauchpunkt entstehen große Mengen ultrafeiner Partikel, dazu kommt bei angebratenem Eiweiß eine zweite Fraktion. Eine Abluft-Dunstabzugshaube und Querlüften direkt nach dem Kochen sind hier die wirksamsten Maßnahmen.
Sind Kerzen eine relevante Feinstaubquelle?
Ja, besonders in Zugluft und beim Auspusten. Eine ruhig brennende Kerze rußt wenig, eine flackernde Flamme deutlich mehr, weil die Verbrennung unvollständig wird. Beim Auspusten entsteht eine sichtbare Rußfahne. Ein Löschhütchen erstickt die Flamme ohne diesen Effekt, außerdem hilft ein auf 5 bis 10 Millimeter gekürzter Docht.
Lohnt sich ein Luftreiniger gegen Feinstaub?
In Räumen mit starker Belastung ja, wenn die Leistung zum Raum passt. Als Faustregel sollte der CADR-Wert etwa dem fünffachen Raumvolumen pro Stunde entsprechen: bei 20 Quadratmetern und 2,5 Metern Höhe sind das 50 Kubikmeter mal fünf, also rund 250 Kubikmeter pro Stunde. Wichtiger als jedes Gerät bleibt es, die Quelle abzustellen und direkt nach dem Ereignis zu lüften.
Kann der Staubsauger Feinstaub verteilen?
Ein Gerät mit undichtem Gehäuse tut genau das. Der Filter wirkt in dem Maß, in dem die Luft ihn durchströmt. Zieht das Gerät Nebenluft an Filter oder Beutel vorbei, gelangt der feine Anteil über die Abluft zurück in den Raum, während die Bodendüse gleichzeitig abgesetzten Staub aufwirbelt. Deshalb zählt bei Allergikergeräten die Gehäusedichtigkeit ebenso viel wie die Filterklasse.
Hilft Lüften gegen Feinstaub, auch an einer viel befahrenen Straße?
Ja, mit Einschränkung beim Zeitpunkt. Nach einer Innenraumquelle wie Braten oder Kerzen liegt die Konzentration drinnen deutlich über der draußen, dort senkt Querlüften sie in wenigen Minuten. An stark befahrenen Straßen lohnt es sich, die Hauptverkehrszeiten am Morgen und am frühen Abend zu meiden und stattdessen mittags und spätabends zu lüften.